10. Juli 2016 - Erntebittgottesdienst


Predigt zu Markus 6,38

Liebe Gemeinde!

Ganz unterschiedliche Szenen sehen wir da vorne. Der Ball liegt am Elfmeterpunkt. Der Spieler nimmt Anlauf und weiß: Wenn ich nicht treffe, blamiere ich mich. Reicht meine Schnelligkeit? Treffe ich den Ball? Rutsche ich aus wie Thomas Müller und Philipp Lahm? Was macht der Torhüter? Diese Unsicherheit: Reicht es, um zu treffen?

Die Radfahrer vor dem Berg. Reicht meine Kraft für den Anstieg? Macht mein Fahrrad mit? Und die Kondition? Die Unsicherheit: Reicht es, um über den Berg zu kommen?

Der Mann im Dauerstress. Zwei Handys, ein Stapel Papier, das Notebook, der Blick auf die Uhr. Alles sollte gleichzeitig erledigt sein und am besten schon gestern. Reicht mein Tag, der auch nur 24 Stunden hat? Meine Nerven? Mein Organisationstalent? Meine Geduld? Meine Freundlichkeit?

Der Junge über den Matheaufgaben. Irgendwann tanzen die Zahlen nur noch vor der Nase. Reicht mein Wissen? Kapiere ich, was da gefragt ist? Wann werde ich endlich fertig?

Traktor und Mähdrescher bei der Getreideernte. Landwirtsfamilien, die in diesen Wochen im Dauerstress sind. Reicht es – die trockene Periode bis zum nächsten Regenguss oder gar Hagelschlag? Reicht es, was wir mit so viel Arbeit erwirtschaften zum Leben – angesichts fallender Preise auf dem Weltmarkt, immer billigeren Lebensmitteln, immer höherer bürokratischer Auflagen? Welche Zukunft hat Landwirtschaft bei uns noch?

Reicht es? Zeit, Kraft, Gaben, Talente, Geld? Immer wieder fragen wir so. Bei der Arbeit, in der Landwirtschaft, in der Schule – sogar beim Sport. Oder ist es zu wenig angesichts der Herausforderungen, vor denen wir stehen?

Reicht es? So fragen auch die Jünger Jesu. 5000 Menschen haben Jesus zugehört. Haben nun Hunger. Und Jesus sagt: Gebt ihr ihnen doch zu essen! Wie können wir? Das reicht nicht – unser Geld.

Da dreht Jesus die Blickrichtung herum. Fragt doch nicht immer, was euch fehlt. Sondern: Wie viele Brote habt ihr? Geht hin und seht! Fragt nach dem, was ihr habt!

Die Jünger schauen. Und bringen: Fünf Fladenbrote und zwei Fische. Reicht das für so viele?

Aber Jesus: Er hält sich nicht auf. Die Leute sollen sich setzen. Er nimmt die Brote und die Fische. Sagt Gott „Danke!“ dafür. Bricht sie auseinander, gibt sie den Jüngern. Die verteilen sie an die Leute. Sie essen. Sie werden satt. Sie sammeln die Reste ein: zwölf Körbe voll bleiben übrig.

Warum hat es gereicht? Keiner weiß es. Sonden nur, was Jesus getan hat: Das, was da war, in die Hand genommen. Gott gedankt für das, was er hat. Und verteilt.

So sollen wir es machen, wenn wir fragen: Reicht das? Nicht die übergroße Aufgabe sehen, sondern das, was wir haben und können. Dafür erst einmal Gott Danke sagen. In die Hand nehmen. Und an unsere Arbeit gehen.

Der Fußballer denkt nicht an das gefühlt immer kleiner werdende Tor, den starken Torhüter und die pfeifenden Zuschauer, sondern an sein Training, an seine Vorbereitung, das gute Spiel, das er bisher gemacht hat – und tritt gegen den Ball. Danach sieht man weiter …

Der Radfahrer malt sich in seinem Kopf nicht die immer steilere Strecke und den immer schlechteren Weg aus. Sondern denkt an sein gutes Fahrrad, an seine Kondition, an die Aussicht, die er nachher hat und an die Fahrt bergab.

Der gestresste Mann am Schreibtisch: Nicht sich von jedem Klingelgeräusch ablenken lassen. Wissen: Multitasking kann niemand – nicht einmal Frauen. Und dann eines nach dem anderen erledigen – was nicht erledigt ist, muss halt warten. Nie sagen: Ich habe keine Zeit. Sondern: Ich bekomme jeden Tag genau 24 Stunden geschenkt. Was da nicht geht, geht nicht.

Der Schüler mit dem rauchenden Kopf: Irgendwann kommt der Punkt, wo es besser ist, das Buch zuzuklappen. Spielen zu gehen, am besten nach draußen. Das, was ich weiß, muss reichen – mehr geht eh nicht mehr ins Hirn.

In der Landwirtschaft: Menschen, die hier arbeiten, wissen: Vieles können wir nicht beeinflussen. Deshalb heute: Erntebittgottesdienst, dass Gott es in seine Hände nimmt. Und wer diese Arbeit wahrnimmt, entdeckt: in unseren Lebensmitteln steckt viel drin. Mühe und Arbeit der Landwirte, derer, die es weiterverarbeiten. Und Gottes Schöpferkraft.

Daraus wächst wie bei Jesus und seinen Jüngern: Danke sagen an Gott. Und wer dankt, weiß: Die Lebensmittel sind es wert, dass wir nicht immer nach dem billigsten Schnäppchen schauen. Sondern entdecken: Wir haben in unserem reichen Land viel – und können deshalb auch die Menschen in der Landwirtschaft fair bezahlen.

Dankbar sein für das, was wir haben. Auf Gottes Kraft vertrauen. Und dann den Ball platzieren, den Berg hochstrampeln, die Aufgaben angehen, die Ernte einholen. Amen.