12. März 2017 - Reminiscere mit Goldener Konfirmation


Predigt zu Matthäus 12,38-42

Liebe Goldkonfirmanden!

Liebe mitfeiernde Gemeinde!

Was bleibt nach fünfzig Jahren noch im Gedächtnis von der eigenen Konfirmation? Was war Ihnen damals wichtig?

Häufig behauptet man ja: die Geschenke sind das Zentrale der Konfirmation. Ja, deshalb würden sich angeblich die meisten konfirmieren lassen. Eine europaweit durchgeführte Befragung von Konfirmanden brachte vor knapp zehn Jahren ein anderes Ergebnis. Am wichtigsten sind den Jugendlichen zuerst das Familienfest, dann der Segen und erst an dritter Stelle die Geschenke. Das mag vor fünfzig Jahren noch etwas anders gewichtet worden sein: Da man noch nicht so viel Geld zur Verfügung hatte wie heutige Jugendliche, waren bei Ihnen vermutlich die Geschenke wichtiger als heute. Umgekehrt waren die Familien damals meist noch näher beieinander als heute. Deshalb war das Familienfest bei Ihnen selbstverständlicher und deshalb – so vermute ich – nicht ganz so hoch gerankt wie heute. Aber der Segen, der Ihnen hier vor diesem Altar zugesprochen wurde, der dürfte für Sie ähnlich wichtig gewesen sein wie den Jugendlichen heute. Denn zum Leben eines jungen Menschen gehörte es 1967 genauso wie 2017, dass er in eine unbekannte Zukunft geht. Das weckt Wünsche, Hoffnungen, Träume – manchmal eben auch Sorgen und Fragen: Was kommt auf mich zu? Deshalb wünscht man sich: Gott möge seine schützende Hand über mich halten. Mich segnen.

Bei Ihnen ist das jetzt fünfzig Jahre her, dass Sie mit dem Segen Gottes in Ihr Leben gingen. Die Wege, die Sie damals nur ahnen konnten, sind Sie inzwischen gegangen. Haben Sie etwas davon gespürt, dass Sie mit Gottes Segen durch Ihr Leben gegangen sind?

Vielleicht fallen Ihnen jetzt Erlebnisse ein, in denen Sie bewahrt geblieben sind. Im Straßenverkehr oder bei einer schweren Erkrankung. Oder glückliche Momente wie Hochzeit, Geburt von Kindern oder Enkeln. Und sagen deshalb dankbar: Ja – mein Leben war gesegnet. Oder denken kritisch: es können ja auch glückliche Zufälle gewesen sein. Kann das wirklich etwas zu tun haben mit dem Segen, der mir zugesprochen wurde?

Umgekehrt: Manche schütteln auch den Kopf. Was soll diese Frage? Vom Segen habe ich nichts gespürt. Musste mich durch schwere Zeiten durchkämpfen. Manches aushalten. Ja: Ich würde ja gerne an Gott glauben, seinem Segen vertrauen – aber ich spüre es nicht, dass da ein Gott für mich da sein soll.

Ja: Gibt es ein Zeichen, dass wir gesegnet sind? So ähnlich wie die Gesprächspartner Jesu im eben gehörten Bibelwort von Jesus ein solches Zeichen erbitten. Um zu sehen, ob er wirklich das hält, was er verspricht.

Aber Jesus verweist auf ein ganz anderes Zeichen. Auf das Zeichen des Propheten Jona. Etwas Anderes gibt es nicht. Jona versuchte Gott und seinem Auftrag davon zu laufen. Bis er Schiffbruch erlitt und baden ging. Dann war er drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches, bis Gott ihn ans Ziel brachte. Ein Leben voller Irrungen und Wirrungen, voller Tiefschläge war es. Aber damit zugleich ein von Gott begleitetes und behütetes Leben. Segen zeigt sich nicht daran, dass es uns immer gut gehen würde. Dass wir immer auf der Sonnenseite stehen würden. Nein: Jona ging in die Irre. Erlitt Schiffbruch. Ging baden. War im Dunklen gefangen bis er begriff, wie gut es Gott mit ihm meint.

Dieses Zeichen des Jona ist für Jesus ein Vorbild für seinen eigenen Weg. Der drei Tage in Tod und Grab führte, bevor er auferweckt wurde. Bevor er den Tod besiegte.

Ist dieses Zeichen des Jona ein Zeichen des Segens, dann lernen wir daraus: Als Gesegnete leben, bedeutet nicht: Es geht immer alles gut. Es gibt kein Dunkel. Es gibt keine Probleme und Schwierigkeiten. Wir bleiben immer auf der Sonnenseite.

Nein: Auch als Gesegnete werden uns Umwege zugemutet, erleiden wir Schiffbruch und Niederlagen, erleben wir Nächte und Schmerzen, endet unser Leben wie jedes mit dem Tod.

Aber als Gesegnete wissen wir uns in dem allem geborgen bei Gott, gehalten von seiner Güte, getragen in seiner Liebe. So wie Jona von Gott zu seinem Ziel nach Ninive gebracht wurde – durch Umwege und Irrwege, vor allem aber durch Gottes Rettungstat, die Jona aus dem Wasser ans rettende Ufer brachte. So wie Jesus durch Tod und Grab zur Auferstehung geführt wurde. Unser Leben bleibt in Gottes Hand gehalten. Selbst über die Grenzen unseres irdischen Lebens hinaus ist Gott für uns da.

Zeichen für den Segen Gottes ist also kein handfester Beweis – den kann es ja gar nicht geben. Das haben wir vorhin ja bei unserem Gedankenexperiment gesehen: Selbst Erfahrungen des Glückes, der Bewahrung, der Hilfe können wir immer auch als Zufälle oder als Zeichen für unsere eigene Cleverness erklären. Zeichen des Segens ist vielmehr: Dass wir voll Vertrauen in unser Leben gehen. Uns nicht von Rückschlägen entmutigen lassen. Hoffnung haben – sogar über die Grenzen unseres Lebens hinaus.

Mit dem Zeichen des Jona macht Jesus Mut, zu Gott zu kommen. In jeder Lebenslage. Wie die Menschen von Ninive, die der Predigt des Jona glaubten und ihr Leben veränderten. Wie die Königin, die einst aus dem Süden zum weisen König Salomo nach Jerusalem kam, um zu lernen. Deshalb sagt Jesus: „Und siehe, hier ist mehr als Jona! Und siehe, hier ist mehr als Salomo.“ Ja – hier ist Jesus, der Schuld und Tod besiegt hat.

Bei Ihrer Konfirmation vor fünfzig Jahren wurde Ihnen sicher gesagt: Konfirmation heißt Befestigung. Ich mache mich fest bei Gott und Gott macht mich fest für die Herausforderungen des Lebens. Als Vierzehnjähriger denkt man dann oft: Ich selber bin doch stark genug. Heute 50 Jahre später erkennt man die eigenen Schwächen und Grenzen deutlicher. Deshalb hören wir heute Gottes Einladung nochmals ganz neu.

Konfirmation heißt: Gott streckt uns seine Hand entgegen. Und wir können in diese Hand einschlagen. Die Hand, die Jona geführt und gerettet hat, die Hand, die Jesus aus Tod und Grab gebracht hat. Diesem Segen vertrauen. Für die nächsten fünfzig Jahre und darüber hinaus. Amen.