16. Mai 2016 - Pfingstmontag


Predigt zu 1. Korinther 12,4-11

Liebe Gemeinde!

Die Karikatur auf dem Liedblatt führt uns zu einem sehr populären Missverständnis – es begegnet einem immer wieder, wenn man mit Kindern über Pfingsten und den Heiligen Geist spricht. Weil sie zunächst bei Geist immer an „Gespenst“ denken. Also wie auf dem Bild links „Hui-Bu“. Etwas, das von einem verstorbenen Menschen zurückbleibt, ohne dass es so richtig zu fassen ist.

Dass Geist noch mehr bedeutet, merken wir auf dem Bild bei Hui-Bus Gesprächspartner. „Der Teamgeist“ – verkörpert durch die Fußballmannschaft unter dem Leintuch. Ja oft genauso wenig zu fassen: Dass aus elf oder mehr individuellen Kickern ein Team wird. Und das merken wir ja bei jeder Gruppe von Menschen: Ob das gelingt, das diese Einzelnen gut zusammenarbeiten oder zusammenspielen können, ist oft nicht planbar und nicht steuerbar. Aller so oft propagierten Teambuilding-Maßnahmen zum Trotz – ob Hochseilgarten, Segeltörn oder Bergtour und was es sonst noch alles gibt. Also ganz ähnlich wie beim Gespenst: Da ist etwas, das nicht richtig zu fassen ist.

Damit sind wir bei dem, was der Apostel Paulus im eben gehörten Briefabschnitt beschreibt. Wie der unsichtbare Christus in seiner Gemeinde und in der Welt wirkt. Die Antwort: Er wirkt durch die Kraft des Heiligen Geistes. Aber das ist eben nicht das Gespenst eines Toten. Nicht irgendeine kirchliche Geisterstunde. Sondern der Geist Gottes ist die Kraft Gottes, die einzelne Menschen befähigt und zu einem Team macht. Dieser Geist Gottes wirkt auf dreifache Weise:

  1. Der Geist begabt.
  2. Der Geist verbindet.
  3. Der Geist handelt.

Zuerst: Der Geist begabt. „In jedem erscheint der Geist“ schreibt Paulus und zählt die verschiedenen Gaben auf: im Planen, im Reden, in der Musik, im Tun. Viele andere könnten ergänzt werden. In jedem Fall: Es gibt keine unbegabten Menschen. In jeden hat Gott eine Fülle von Talenten gelegt.

Als ich ein halbes Jahr lang nach dem Abitur bei einer Baufirma gearbeitet habe, sagte einer meiner Kollegen – ein Maurer – von sich: Weißt du, von mir gilt der Satz: Da er nicht so begabet war, ließ ihn sein Vater einen Maurer werden. Und ich dachte: Ich hätte gerne manche Begabung von diesem handwerklichen Multitalent. Ich hatte zwar Abitur, aber zwei völlig linke Hände. So hat jeder seine Begabung – wenn auch jeder andere. Und niemand denke von den Gaben des anderen zu gering. Ebenso: Niemand denke von den eigenen Begabungen zu gering. Keiner ist besser, weil er anders ist als ich. Und keiner ist deshalb schlechter.

So wie auf dem Bild die Beine, die zu unterschiedlichen Menschen gehören. Jeder von ihnen als einmalig begabte Person.

Deshalb kann jeder und jede selbstbewusst durchs Leben gehen. Weil Gott mit dir und mit mir etwas vorhat. Unabhängig von dem, was andere von uns sagen. Unabhängig auch von Schulabschlüssen und beruflichen Qualifikationen. Wir sind begabt – von Gottes Geist.

Zweitens: Der Geist verbindet. Der Satz des Paulus geht weiter: Die Geistesgaben werden jedem geschenkt, damit sie anderen Menschen nützen.

Die verschiedenen Gaben, Aufgaben und Kräfte werden auf den einen Geist, den einen Herrn und den einen Gott zurückgeführt. So ähnlich wie auf der Karikatur das weiße Leintuch, das als Teamgeist über den elf Spielern ist, und sie verbindet. Dies alles bewirkt ein und derselbe Geist, einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu wie er will.

Unsere Begabungen haben wir nicht als Privatbesitz erhalten. Sondern, um sie gemeinsam mit anderen einzusetzen.

Wenn ich schon mit Kindern im Gottesdienst oder im Unterricht über unsere Begabungen nachgedacht habe, dann frage ich gerne: Wäre es nicht besser, wenn jeder von uns alles könnte? Dann kommt rasch die Antwort: Das wäre schade, weil wir dann nicht zusammenarbeiten müssten.

So entsteht Gemeinde: Dass verschiedene Menschen mit vielen Gaben zusammen handeln. Da ist es gut, dass jeder anders ist, aber gemeinsam mit den anderen als Einheit zusammenwirkt.

Drittens: Der Geist handelt. Durch diese vielfältigen Gaben handelt Gott in der Kraft seines Geistes in der Welt. Wird Gestalt in seiner Gemeinde. Dass Menschen von Gottes Nähe erfahren. Dass einander geholfen wird. Dass sich Bürger in einem Gemeinwesen engagieren. Gottes Geist begabt uns und lässt uns als seine Werkzeuge zusammenwirken.

Deshalb schafft sich der Geist Gottes seine Gemeinde. Und auch unsere Vielfalt der unterschiedlichen Konfessionen zeigt den Reichtum der vielfältigen Gaben und Kräfte, die Gott gibt. Wenn katholische Feier gottesdienstlicher Liturgie, neuapostolische Bewahrung verbindlicher geistlicher Gemeinschaft und evangelisches Hören auf die Botschaft der Bibel heute zusammenwirken, kann das bereichernd sein: für das wechselseitige Lernen voneinander und für den gemeinsamen Dienst nach außen. Dass gilt, was der Apostel so sagt: Es sind verschiedene Kräfte, aber derselbe Gott wirkt alles in allen. Jedem wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie den anderen nützt. Amen.