17. April 2016 - Jubilate


Predigt zu 1. Johannes 5,1-4

Liebe Gemeinde!

Ein Bild von Ivan Steiger, das Sehnsucht ausdrückt: Das Herz wird in die Weltkugel hineingegeben. Das Herz ist ja das Symbol für Liebe. Das Herz als Zentrum der Welt – das bedeutet: Unsere Welt wird von Liebe bestimmt.

Deshalb ein Bild, das Sehnsucht ausdrückt: Dass unsere Welt von der Liebe bestimmt ist. Und nicht vom Hass der Menschen, von der Rechthaberei, nicht von Krieg und Zerstörung, nicht von Leid, Krankheit und Tod. Nicht von blinden Schicksalen und Zufällen, nicht von denen, die sich als Machthaber aufspielen.

Ein Wunsch, den wir besonders für ein Kind haben, das ja erst ins Leben startet. Liebe soll es umgeben – bei Ihnen in der Familie. Bei den Menschen, die ihr begegnen. Liebe soll es bringen in diese Welt.

Wir wünschen dies uns ja deshalb so besonders stark, weil wir wissen und spüren: es ist so oft ganz anders. Deshalb ein Sehnsuchtsbild: Das Herz, das in die Weltkugel fällt.

Weil diese Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit so stark empfunden wird, schreibt der Apostel Johannes die eben gehörten Zeilen an seine Gemeinde. Er beantwortet zunächst die Frage: Woher kommt die Liebe in unserer Welt?

Auf unserem Bild fällt das Herz aus dem Sternenhimmel in die Weltkugel. Ich selber verwende dieses Bild seit es mir begegnet ist immer im Konfirmandenunterricht beim Thema Schöpfung. Gott schenkt dieser Welt Liebe, indem er sie geschaffen hat. Das empfinden viele ja im Frühling besonders – wenn die Sonne alles hell macht, neues Leben hervorbricht und überall die Rasenmäher knattern.

Doch für Johannes bekommt diese Liebe noch deutlicher eine Gestalt und ein Gesicht in Jesus Christus. „Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren, und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist.“ Wenn wir vertrauen: In Christus ist der in die Welt gekommen, der stärker ist als alles, was diese Welt scheinbar bestimmt. Stärker als das Machtstreben der Menschen, stärker als Hass und Krieg, stärker als alle scheinbaren Zufälle und Schicksalsschläge. Weil dieser Christus stärker ist als der Tod. Die Stärke seiner Liebe hat sich gezeigt am Morgen des ersten Osterfestes. In seiner Auferstehung.

Wer dem Sieg dieser Liebe vertraut, diesem Sieg über alles, was diese Welt oft so unliebsam macht, der gewinnt eine andere Perspektive auf diese Welt mit ihren Schattenseiten. Johannes formuliert das so: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“

Wer dem Sieg dieser Liebe vertraut, kann selbst das tun, was dieses Bild ausdrückt: Liebe hineingeben in diese Welt. Gewissermaßen sein Herz dieser Welt schenken. Oder wie es Johannes sagt: „Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten.“

Und Johannes setzt sogar noch einen drauf: Die Gebote Gottes zu halten, ist nicht schwer. Das gilt dann, wenn wir den Blick der Liebe uns erhalten auf diese Welt und ihre Menschen. Das bedeutet: Leben im Kraftfeld Gottes statt im Kraftfeld dieser Welt. Indem wir uns nicht bestimmen lassen von der Kraft des Hasses und des Streites. Nicht resignieren vor dem, was oft so hoffnungslos erscheint in unserer Welt. Sondern wissen: Diese Welt und ihre Menschen sind bereits geliebt von Gott. Wenn wir sie so betrachten, dann verhalten wir uns schon anders. Gerade wenn uns jemand blöd kommt, erst einmal überlegen: Warum verhält der sich so?

Mir wurde das klar, als ich in Schwäbisch Hall an der Freien Waldorfschule Religionsunterricht gab. Der Kollege, von dem ich das übernommen hatte, wechselte hauptamtlich in den Schuldienst und wurde später sogar Schuldekan – also durchaus pädagogisch versiert. Er sagte mit gleich: So viele Schwierigkeiten wie dort hatte ich noch nie im Unterricht. Und bald hatte ich auch begriffen, woher diese Schwierigkeiten kamen: Unsere evangelischen Schüler in der Waldorfschule waren in der Regel irgendwann in der staatlichen Schule gescheitert und kamen dann auf die Waldorfschule. Schüler, die mit Schule Enttäuschungen und Verletzungen verbanden. Und deshalb das durch unangemessenes Verhalten kompensierten. Als mir das klar wurde, konnte ich diese Schüler anders sehen und gelassener darauf reagieren. Das hat vieles sehr entspannt. Den anderen mit anderen Augen sehen. Dadurch gilt: Eine andere Welt ist möglich!

Das ist unser Vertrauen: Der Sieg, der die Welt überwindet. Weil Gott sein Herz in diese Welt gelegt hat durch Christus. Und wir unser Herz hineinlegen können. Amen.