18. Dezember 2016 - Vierter Sonntag im Advent


Krippenspiel: PokémonGo to Bethlehem

Personen:

2 Moderatoren

Maria

Josef

3 Wirte

Beliebig viele Engel

3 Hirten

2 Pokémon-Jäger

Pikachu

3 Weise

Szene 1: Maria und Josef unterwegs

Moderator 1: Weihnachten rückt näher. Und damit nicht nur Christbaum, Geschenke und Essen.

Moderator 2: Sondern auch das, warum wir Weihnachten feiern.

Moderator 1: Die Geburt Jesu in Bethlehem.

Moderator 2: Was da geschehen ist, können wir sehen, hören, berühren.

Moderator 1: Damals als Maria und Josef sich auf den Weg machten.

(Währenddessen kommen Maria und Josef auf die Bühne)

Maria (lautstark): Josef, es reicht jetzt!

Josef: Schrei nicht so. Ich bin nicht schwerhörig!

Maria: Ich schreie nicht, ich bin nur fix und fertig!

Josef: Nicht nur du! Ich bin genauso lange gelaufen wie du.

Maria: Aber du bist auch nicht im neunten Monat schwanger. Ich trage schließlich auch noch unser Kind.

Josef: Ja, entschuldige, Maria. Aber ich bin auch am Ende. Wenn die Römer uns von Nazareth nach Bethlehem schicken, kann ich auch nichts dafür.

Maria: Da hast du natürlich recht. Die spinnen, die Römer! Volkszählung, Steuerlisten, Römischer Frieden. Wenn ich das schon höre!

Josef: Eigentlich geht es nur ums Geld. Der Kaiser Augustus in Rom braucht Geld und wir sollen bezahlen. Deshalb muss ich halt meinen Besitz in Bethlehem registrieren lassen. Was soll ich machen, wenn meine Familie von dort kommt.

Maria: Reg dich nicht auf, Josef. Da vorne sehe ich schon die ersten Häuser von Bethlehem.

Josef: Endlich! Wird auch Zeit! Jetzt nichts wie eine Unterkunft buchen und entspannen.

Maria (schüttelt den Kopf): Entspannen… Seit wann ist eine Geburt entspannt … und ich merke: Das Kind kommt bald!

Josef: Hier, die erste Unterkunft! (Klopft an der Tür)

Wirt 1: Ruhe da draußen! Alles belegt! Geht weiter!

Maria: Aber …

Wirt 1: Nichts aber. Seid ihr schwer von Begriff? Ich habe gesagt: Belegt. Voll. Aus – Ende -weiter!

Josef: Volltrottel! Der sieht doch, dass du hochschwanger bist.

Maria: Reg dich nicht auf. Es gibt noch andere Herbergen in Bethlehem.

Josef: Ich reg mich doch gar nicht auf. Ich hab nur gesagt, dass der Wirt ein Volltrottel ist.

Maria: Ich klopfe mal hier. (Klopft an die Tür)

Wirt 2: Da kann ja jeder kommen. Mitten in der Nacht. Ich hab Feierabend. Will schlafen. Hab eh keinen Platz mehr.

Josef: Aber …

Wirt 2: Nichts aber! Feierabend habe ich gesagt. Voll! Zieht Leine!

Maria: Idiot!

Josef: Reg dich nicht auf … Aufregung ist nicht gut, wenn man schwanger ist.

Maria: Ich reg mich doch gar nicht auf. Ich hab nur gesagt, dass der Wirt ein Idiot ist.

Josef: Versuch Nummer drei! (Klopft an die Tür)

Wirt 3: O je – wie seht ihr denn aus? Wie lange seid ihr schon unterwegs?

Maria: Wir kommen aus Nazareth. Und du siehst: Ich bin schwanger. Das Kind kommt bald.

Wirt 3: Hmm – ich würde euch ja gerne helfen. Aber: Ich habe das ganze Haus voll. Ich kann euch nur noch den Stall anbieten.

Josef: Besser als nichts. Nehmen wir.

Maria: Endlich hinsitzen. Und ausruhen.

Wirt 3: Ich zeige es euch. Und da habt ihr noch eine Decke – so was: Dass ein Kind in meinem Stall zur Welt kommt.

Moderator 2: Maria und Josef waren am Ziel in Bethlehem.

Moderator 1: Maria brachte ihren ersten Sohn zur Welt. Sie nannten ihn Jesus – Gott hilft. Maria wickelte ihn in Windeln.

Moderator 2: Und legte ihn in eine Futterkrippe – es gab keinen anderen Platz für ihn.

Lied: Zu Bethlehem geboren (EG 32,1)

Szene 2: Das Lied

Engel: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei allen Menschen, die Gott wohlgefallen.

Maria: Hörst du das, Josef?

Josef: Was? Die Musik?

Maria: Ja!

Josef: Ich weiß nicht, was die Gäste drüben in der Herberge gebechert haben, dass die singen. Offensichtlich ist nicht nur die Herberge voll, sondern auch die Gäste.

Maria: Nein, das sind keine Besoffenen. Das klingt anders. Himmlisch…

Engel: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei allen Menschen, die Gott wohlgefallen.

Lied: Hört der Engel helle Lieder (EG 54,1-3)

Szene 3: Besuch an der Krippe

Josef: Da hat es an der Tür geklopft …

Maria: Herein …

Hirten kommen in den Stall…

Hirte 1: Das muss das Kind sein.

Josef: Das ist unser Kind.

Maria: Es heißt Jesus – Gott hilft!

Hirte 2: Ja – davon haben uns die Engel gesagt.

Josef: Welche Engel?

Hirte 3: Habt ihr nichts gehört? Das Singen!

Maria: Schau, ich habe es dir gesagt: Die Musik klingt himmlisch.

Josef: Und ich dachte, das sind ein paar Betrunkene in der Kneipe…

Hirte 1: Und die sagten uns: Dort in Bethlehem hat Gott ein besonderes Kind zur Welt kommen lassen.

Hirte 2: Den neuen König, den Retter.

Hirte 3: Er liegt dort in einer Krippe.

(Pokémon go erscheint auf der Leinwand) Pikachu kommt in die Kirche.

Hirte 1: In Windeln gewickelt.

Hirte 2: Dann waren viele Engel da.

Hirte 3: Und sie sangen:

Maria, Josef, Hirten: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.

Pokémon-Jäger (PJ) 1 und 2 haben die Kirche mit Handy betreten. Pikachu hüpft um die Krippe herum.

PJ1: Da muss er irgendwo sein.

PJ2: Ich hab Pikachu gesehen.

Pikachu: Hier bin ich!

PJ1: Hä – war das jetzt in meinem Handy oder hier im Raum?

PJ2: Was ist denn hier überhaupt los? Was sind denn das für Pokémons? (Zeigt auf die Engel)

PJ1: Muss ich die Typen da auch einfangen? (Zeigt auf die Hirten)

Moderator 1: He ihr zwei! Ist bei euch alles Okay?

PJ2: Klar – alles gut. Wir spielen nur Pokémon go.

PJ1: Und hier muss irgendwo Pikachu sein …

Pikachu: Ihr seid zu blöd, mich zu fangen.

Moderator 2: Ihr seid sogar zu blöd, Engel und Hirten von einem Pokémon zu unterscheiden.

PJ2: Engel und Hirten? Was sind das für Pokémons?

Moderator 1: Ich glaube du musst dich mal wieder in die Echtzeit zurückbeamen.

PJ1: Vielleicht ist das hier eine Pokémon-Arena. Bei den vielen Typen.

Moderator 2: Pokémon-Arena? Ich glaub Pikachu pfeift.

Pikachu: Kann nicht pfeifen …

Moderator 1: Ihr seid hier in der Kirche. Beim Krippenspiel.

Moderator 2: Und das sind Hirten und Engel und keine Pokémons.

PJ 2: Ich weiß nicht mehr: Was ist virtuell? Was ist echt?

Moderator 1: Dann halt Handy aus und Augen auf.

Moderator 2: Smartphone aus und Hirn einschalten!

Moderator 1: Für Euch beide: Maria hat gerade ihr Kind. Jesus zur Welt gebracht. Die Hirten haben entdeckt: das ist der Retter der Welt.

Moderator 2: Die Engel da haben gesungen:

Engel: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.

Lied: Stern über Bethlehem (EG 540,1) (Die Weisen kommen in die Kirche)

Szene 4: Die Weisen

PJ1: Da kommen noch mehr Pokémons!

PJ2: Da! (deutet auf die Weisen)

Weiser 1: Wir sind keine Pokémons, du Blödel. Wir sind Sterndeuter ganz weit aus dem Osten.

Weiser 2: Wir schauten eben nicht nur in so ein albernes Smartphone, sondern in den Himmel.

Weiser 3: Und haben einen besonderen Stern gesehen.

Weiser 1: Einen Königstern. Ein neuer König muss geboren sein.

Weiser 2: Wir haben uns auf den Weg gemacht nach Jerusalem.

Weiser 3: Dort haben uns die Gelehrten gesagt: Der neue König muss in Bethlehem geboren sein.

Weiser 1: Jetzt sind wir hier.

Weiser 2: Schau! Da ist der Stern wieder!

PJ1: Stern! Ich muss den Sternenstaub herunterladen.

Weiser 3: Die beiden Typen können uns wohl nicht weiterhelfen. Die sind nur mit ihrer Pokémon-Jagd beschäftigt.

Weiser 1: Aber der Stern steht dort drüben über dem Haus.

Weiser 2: Das ist ja ein Stall!

Weiser 3: Schauen wir mal nach!

Josef: Wer seid ihr?

Weiser 1: Wir sind Sterndeuter aus dem Osten.

Weiser 2: Ein neuer Stern hat uns gesagt: Ein besonderer König ist geboren.

Weiser 3: Und wir haben für ihn königliche Geschenke.

Weiser 1: Gold (legt es nieder)

Weiser 2: Weihrauch (legt es nieder)

Weiser 3: Myrrhe (legt es nieder)

Pikachu: Ohh!

Maria: Königliche Geschenke für mein Kind?

Weiser 1: Ja, ein König in einem Stall!

Hirte 1: Kein König wie der Kaiser in Rom. Der die anderen unterdrückt.

Weiser 2: Nein, einer der den Menschen hilft.

Hirte 2: Zu dem jeder kommen kann.

Weiser 3: In ihm hat Gott seine Liebe sichtbar gemacht.

Hirte 3: Ganz nahe!

PJ2: He Alter, was geht da ab?

PJ 1: Ich check es nicht.

PJ 2: Was ist da real? Was nicht?

Moderator 1: Tja ihr beiden Helden der Pokémon-Jagd! Ihr jagt immer nur nach einer virtuellen Realität.

Moderator 2: Und geht am Entscheidenden vorbei.

PJ1/2: Häh??

Moderator 1: Ihr findet ja nicht mal Pikachu hier in der Kirche!

Pikachu: Ha, ha, ha – ihr seid zu doof!

PJ1: Ich raff‘s nicht.

Moderator 2: Ja – weil das Wichtige nicht in Eurem Handy zu finden ist.

PJ 2: Was ist wirklich wichtig?

Pikachu: Nicht ich, sondern er! (zeigt auf die Krippe)

Moderator 1: Dass in ihm der unsichtbare Gott sichtbar auf die Welt gekommen ist.

Moderator 2: In Echtzeit zu den Menschen gegangen. Und für alle da ist.

PJ 1: Auch für mich? Auch wenn ich voll versagt habe?

Pikachu: Wie gerade eben!

Moderator 1: Gerade dann.

Moderator 2: Jeder von uns versagt mal. Jeder von uns übersieht immer wieder wichtiges.

PJ 2: Nicht nur beim Spiel.

Moderator 1: Aber Jesus ist gerade zu den Verlierern gekommen.

Moderator 2: Wie zu Maria und Josef, wie zu den Hirten.

Moderator 1/2, PJ1/2: Und zu dir und mir!

Lied: Stern über Bethlehem (EG 540,2-4)

Kurzansprache

Manchmal jagt man eben den Falschen – wie die beiden Pokémon-Jäger gerade. Vor lauter Jagdeifer geht man am Wichtigen vorbei. Warum machen wir das? Uns in die Welten einer „angereicherten Realität“ eines Handy-Spiels mitnehmen lassen? Weil uns unsere eigene Wirklichkeit zu langweilig oder zu anstrengend, zu unübersichtlich oder zu wenig interessant erscheint? Weil wir gerne Erfolgserlebnisse hätten, die uns das Leben oft vorenthält?

In jedem Fall: Die beiden in Eurem Spiel haben weder Pikachu erwischt noch die Geburt Jesu richtig verstanden. Denn diese Geburt ist ja gerade das Gegenteil von einer Pokémon-Jagd. Während man bei der Jagd die Wirklichkeit ergänzt, anreichert, um sie interessanter zu machen, um aus manchem, was das Leben mühsam macht, zu fliehen, kommt im Geschehen von Bethlehem Gott hinein eben diese Wirklichkeit. Teilt mit uns, was das Leben schwierig macht, was uns belastet.

Damit bereichert Gott unsere Wirklichkeit, so wie sie ist: Durch seine Hilfe, durch seine Kraft und durch eine Perspektive über diese Wirklichkeit hinaus. Aber nicht auf eine virtuelle Realität. Sondern auf seine neue Welt. Ein Leben, das nicht vergeht, das bleibt. Amen.