20. Mai 2018 - Pfingstsonntag


Predigttext (1.Korinther 2,12-16) und Predigt (zugleich Taufansprache)

Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist. Und davon reden wir auch nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen. Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden. Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt. Denn "wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen"? Wir aber haben Christi Sinn.

Liebe Tauffamilie!

Liebe mitfeiernde Gemeinde!

Wenn ein Kind ins Leben startet, dann fragen wir manchmal: Was wird aus ihr werden? Was wird sie aus ihrem Leben machen? Natürlich geben Sie als Eltern die besten Startchancen, versuchen, Ihrer Tochter möglichst viel zu ermöglichen. Dahinter steht der Wunsch: Unsere Tochter soll ein gutes und glückliches Leben haben.

Ein Wunsch, den jeder von uns vermutlich für sich und für die Menschen hat, die ihm am Herzen liegen. Bei allem Positiven, bei allen Energien, die dieser Wunsch freisetzt bei uns und anderen – dieser Wunsch hat zugleich eine Kehrseite, eine Grenze. Manchmal führt er dazu, dass wir uns und andere überfordern. Nach einer Perfektion streben, die wir nicht erreichen können. Ein wenig so wie gestern beim FC Bayern im Pokalfinale. Da wollten sie das Triple - aber am Ende das Aus gegen Real Madrid, die letzte Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart und jetzt das verlorene Pokalfinale.

Vielleicht ist nur bei den Bayern-Profis dieser Perfektionstrieb schuld daran, dass wir manches nicht auf die Reihe kriegen. Ich kenne das bei mir schon bei sehr kleinen Dingen. Da will ich jemand zum Geburtstag oder für eine schwere Lebensphase etwas schreiben – per Brief, per Karte, per Mail. Aber es soll ja gut werden. Also schreibe ich es heute nicht, weil ich das Gefühl habe: Im Stress schaffst du nicht, so gut zu formulieren wie du es willst. Also morgen. Aber es findet sich nie der geeignete Zeitpunkt – und irgendwann merke ich: der Geburtstag ist schon lange vorbei und ich habe immer noch keine einzige Zeile verfasst. Am Ende blase ich das Unternehmen ab. Wäre ich weniger perfektionistisch gewesen, ich hätte mich wenigstens beim anderen gemeldet. Viel zu wenig habe ich den Mut zur Lücke, zur Unvollkommenheit – aber wenigstens würde dadurch etwas zu Stande kommen.

Dahinter steht der Geist, der im eben gehörten Bibelwort vom Apostel Paulus als Geist aus dieser Welt bezeichnet wird. Der Geist, der nicht erkennt, dass unser Leben und alles, was wir sind und haben, in erster Linie Geschenk ist. Sondern alles sich selber durch eigene Leistung erarbeiten will. Aus sich etwas machen will. Natürlicher Mensch nennt Paulus das.

Dem stellt Paulus den Geist von Gott gegenüber: Dadurch erkennen wir, was uns von Gott geschenkt ist. Auch das wissen Sie, liebe Tauffamilie, wenn Sie auf das Leben Ihrer beiden Töchter schauen. Das Wunder eines Lebens, das neu anfängt. Das wir nicht machen können, sondern das uns geschenkt wird. Den Blick dafür öffnet uns Gottes Geist. Wir brauchen zunächst nichts aus uns zu machen, sondern Gott hat uns gemacht. Mit allen unseren Stärken und Schwächen. Wir sind bereits perfekt – vollkommen – und müssen nicht nach Perfektion streben.

Von Anfang an steht Gott uns in unserem Leben zur Seite. An jedem Tag begleitet er uns. Das zeigt auch das Psalmwort, das Sie Taufspruch gewählt haben: Der Herr hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Der Geist Gottes ermöglicht uns, das zu erkennen: unser Leben ist geschenkt, unser Leben ist begleitet. Ein wenig so wie auf diesem Bild: Auf den ersten Blick – im Geist dieser Welt, als natürlicher Mensch – sehen wir Wolken. Auf den zweiten Blick sehen sie aus wie Flügel eines Engels. Man kann im Horizont des Geistes Gottes, als geistlicher Mensch, diese Wolkenformation als Hinweis nehmen: Gottes gute Mächte, Gottes Engel, umgeben mich. Manchmal durch solche scheinbaren Zufälle und Fingerzeige. Manchmal in Gestalt anderer Menschen. Ich entdecke: Ich bin behütet und begleitet. Mein Leben ist Geschenk.

In diesem Geist können wir dann leben und handeln. Durchaus auch schwierige Situationen meistern. Denn die Begleitung durch Gottes guten Geist, durch Gottes Engel, bedeutet nicht: Es läuft alles immer wie am Schnürchen. Es gibt auch Durststrecken Schwierigkeiten. Das ist in unserem Leben so und das wird auch im Leben von Ihrer Kinder nicht anders sein. Aber wir gehen da nicht allein und müssen es nicht aus eigener Kraft perfekt managen.

Dann können wir auch unsere Fehler und Schwächen in den Blick nehmen. Nicht perfektionistisch und kleinlich, sondern großzügig und fehlerfreundlich. Abstellen und verbessern, was geht, und das andere gelassen und geduldig akzeptieren.

Wenn wir so Christi Sinn haben – aus Gottes Geist heraus leben, dann können wir und diese Kinder gut leben – ob unser Leben von außen betrachtet erfolgreich ist oder nicht. Ob wir das aus unserem Leben machen, was wir oder andere erwarten, ist dann nicht entscheidend. Entscheidend ist: Das zu sein, was Gott bereits aus uns gemacht hat – sein Geschenk an diese Welt.

Das soll auch Ihre Tochter entdecken dürfen. Dazu helfen wir ihr, wenn wir sie auf Gott als Lebensbegleiter aufmerksam machen – ob durch die Geschichten aus der Kinderbibel, durch Lieder, durch Gebete. So dass sie die guten Mächte Gottes in ihrem Leben entdecken darf und sagen: Der Herr hat seinen Engeln befohlen, dass sie mich behüten auf allen meinen Wegen. Amen.