20. November 2019 - Buß- und Bettag


Kurzpredigt (Römer 2,1-4)

Liebe Gemeinde!

Erst mal Euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, vielen Dank für Eure Gedanken. Ja – wir haben gigantische Möglichkeiten heute. Wir können Dinge tun, von denen frühere Generationen nur träumen konnten. Vieles läuft gut in unserem Leben und in unserer Welt.

Doch dieser Fortschritt und diese Möglichkeiten haben zugleich eine Kehrseite: Wir greifen unsere natürlichen Lebensgrundlagen an – der Klimawandel zeigt dies deutlich. Soziale Netzwerke heizen zugleich Hass und Mobbing noch an. Kriege werden noch brutaler geführt als in früheren Zeiten. Wir schaffen es, unsere Welt zu belasten.

Da umdenken, umsteuern, manches Liebgewordene und Gewohnte lassen. Wie wichtig das ist, wird uns immer mehr bewusst. Obwohl es Mühe macht, wie alles, was gewohnte Routinen durchbricht. Und wir es uns deshalb am liebsten vom Hals halten würden. Man redet dann schnell abfällig vom „Gutmenschentum“ oder von „Ökodiktatur“. Aber wollen wir wirklich „Schlechtmenschen“ sein? Das wäre ja das Gegenteil von Gutmenschen. Und Diktatur üben nicht die aus, die uns auf die Folgen unseres Handelns aufmerksam machen. Sonden die Welt diktiert uns automatisch, wo ihre und damit unsere Grenzen liegen. Wenn wir die Folgen unseres Umgangs mit der Natur zu spüren bekommen.

Eine solche Erfahrung beschreibt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Rom:

Deshalb hast du auch keine Entschuldigung, du Mensch,der sich zum Richter aufspielt. Wenn du jemand anderen verurteilst, sprichst du damit selbst das Urteil über dich. Denn du verurteilst zwar andere, handelst aber genauso.

Wir wissen aber:Wer so handelt, über den spricht Gott das Urteil. Und dieses Urteil entspricht der Wahrheit. Du Mensch, du tust doch genau dasselbe wie die anderen, die du verurteilst.

Rechnest du wirklich damit, dem Urteil Gottes entgehen zu können?

Oder missachtest du Gottes große Güte, Nachsicht und Geduld?

Erkennst du denn nicht,dass Gottes Güte dich dazu bewegen will, dein Leben zu ändern?

Also zunächst: Kehre vor deiner eigenen Tür. Ändere du dein Verhalten, bevor du von anderen erwartest, dass sie es tun.

Dann aber genauso: Überfordere dich nicht. Du musst nicht alleine die Welt retten. Sondern: Diese ganze Welt lebt von Gottes Güte. Deshalb lebst auch du von Gottes Güte. Ihr habt uns ja gesagt, wie die Güte Gottes erfahrbar wird: Wenn wir beschützt werden, Heilung erfahren, Versöhnung möglich wird, Glücksmomente, das Gebet.

Blicken wir auf das, was wir geschenkt bekommen haben von Gott, der uns das Leben gab. Indem wir überlegen: Wofür bin ich dankbar? Worüber freue ich mich? Dann führt diese Erkenntnis der Güte Gottes uns zum Umdenken. Weil wir das Gechenkte bewahren wollen. Weil wir wissen, dass wir auf nichts verzichten müssen, wenn wir unser Leben ändern. Beispielsweise dachte ich lange, dass es lästig ist, das Auto stehen zu lassen, Fahrrad oder Zug zu nehmen. Inzwischen genieße ich as – die frische Luft auf dem Fahrrad oer die Möglichkeit, im Zug zu lesen oder zu schlafen, anstatt hinter dem Steuer zu sitzen. Klar geht das nicht immer – aber immer wieder.

Buß- und Bettag heißt: Zwischenstopp einlegen. Überlegen: was läuft gut? Was läuft nicht gut? Was kann ich verändern? Dann Gottes Güte wahrnehmen. Darauf vertrauen. Tun, was möglich ist. Dann wird aus dem Bußtag eine Wednesday for future. Amen.