21. Februar 2016 - #Godi für Dich


Wir haben es wieder gesehen: Wir stehen jeden Tag vor unendlich vielen Entscheidungen. Großen wie der Berufswahl oder der Wahl des Lebenspartners. Solchen mit gewisser Tragweite: Wie heute die Bürgermeister-Wahl oder in wenigen Wochen die des Landtages. Mit finanziellen Auswirkungen: Ein neues Auto kaufen oder nicht? Die Wohnung mieten, kaufen oder bauen? Und dann die kleinen Entscheidungen, die uns manchmal auch ordentlich beschäftigen. In meiner früheren Tätigkeit in Ulm musste ich manchmal im Café JAM bedienen. Wenn ich dann jemand nach seinen Getränkewünschen fragte und der brauchte ewig sich zwischen Cola, Fanta, Apfelschorle, Sprite oder Spezi sich zu entscheiden. Dann überlegte ich schon, wie lange der wohl für wirklich wichtige Entscheidungen braucht …

Das ist dann so ähnlich wie in der Geschichte vom Esel: Der steht zwischen zwei Heuhaufen und weiß nicht, von welchem er fressen soll. Am Ende verhungert er zwischen den beiden Heuballen.

Warum fallen uns Entscheidungen so schwer? Weil wir uns für eine Zukunft festlegen, die wir nicht kennen. Jede Entscheidung kann sich im Nachhinein als falsch herausstellen – egal wie gründlich wir alles durchdacht haben. Weil wir Menschen eben erst im Rückblick verstehen können, aber immer im Blick nach vorne uns entscheiden. Mit dem Philosophen Sören Kierkegaard: Wir leben vorwärts, aber verstehen immer nur rückwärts.

Aus dieser Falle kommen wir nicht heraus – weil wir Menschen sind, die nicht allwissend sind. Aber wenn wir aus Angst, falsch zu entscheiden, uns nicht entscheiden – dann machen wir den größten Fehler: Weil dann andere über uns entscheiden. Weil dann manches einfach uns passiert, ohne dass wir es noch abwenden können. Wer heute keine Stimme abgibt, muss am Ende die Person akzeptieren, die die anderen wählen.

Das wäre wie der Esel, der verhungert, obwohl genügend Nahrung erreichbar ist. Also: besser eine falsche Entscheidung treffen als gar keine.

In einem Psalmvers fragt der Beter: „Wie steht es mit dem Menschen, der den Herrn ernst nimmt? Der Herr zeigt ihm den Weg, den er wählen soll.“ (Psalm 25,12)

Wer also Gott vertraut, der braucht keine Angst vor falschen Entscheidungen zu haben. Gott zeigt uns den Weg, den wir wählen sollen. Wie aber geschieht das?

Das kann ganz unterschiedlich aussehen: Manchmal gibt es einen scheinbaren Zufall, der uns zur eindeutigen Entscheidung bringt. Als meine befristete Ulmer Stelle am Ablaufen war, sehe ich durch Zufall im Gemeindeblatt den Artikel von der Verabschiedung des Pfarrers in Niederstotzingen und wusste sofort: Das ist die Chance auf die erhoffte Stelle in der Nähe Ulms, aber außerhalb des Kirchenbezirks Ulm. Da war klar: Das ist die nächste Station. Oder aber es werden die anderen Möglichkeiten verhindert. Als meine vorletzte Stelle reduziert werden musste und ich nicht wusste, wie es weitergehen soll, hatte ich einige Ideen, doch bei vielen kam ich nicht zum Zug. Nur die Tür nach Ulm blieb offen.

Manchmal aber kommt ein Punkt, an dem wir eine Entscheidung treffen müssen, ohne dass es so eindeutig ist. Das war nach bei mir vor dem Abitur so. Ich hatte zu allen möglichen Studiengängen Informationen gesammelt. Dann kam die Zeit der Entscheidung. Mir war klar: egal wie ich mich entscheide, ich werde in Lebenslagen kommen, an denen ich mich ärgere, mich nicht anders entschieden zu haben. Aber ich vertraue darauf, dass Gott etwas aus meinem Leben machen wird – egal, welchen Beruf ich ergreife werde. Und so ist es gekommen – und gut geworden.

Oder es wird uns bewusst: Die Entscheidung, die wir nach bestem Wissen und Gewissen getroffen haben, war falsch. Weil wir manche Dinge nicht bedacht haben. Wer Gott vertraut, weiß: Das ist kein Weltuntergang. Dann den Mut haben, das zuzugeben. Wenn es geht zu korrigieren. Oder damit leben können – im Vertrauen auf den Gott, der uns auch auf den Irrwegen begleitet und Gutes daraus machen kann. Selbst wenn wir durch eine falsche Entscheidung Schuld auf uns geladen haben, vergibt.

Ich denke da an den Fahrdienstleiter von Bad Aibling. Eine falsche Entscheidung letzte Woche. Offensichtlich in der guten Absicht, eine Zugverspätung aufzuholen. Aber mit katastrophalen Folgen. Klar: Eine Fehlentscheidung, die er zu korrigieren versuchte, aber nicht mehr konnte. Eine unermessliche Schuld. Aber die Reaktionen der Passanten in Bad Aibling im Fernsehen und der Journalisten in den Medien zeigt: Es gibt eine große Anteilnahme am Ergehen dieses Manns. Weil jeder schon falsche Entscheidungen getroffen hat – und ahnen kann, wie es einem damit geht. Aber als Christen hoffen wir darauf: Auch schwere Schuld kann vergeben werden. Und: selbst der Tod ist nicht Endstation eines Weges Gottes mit einem Menschen.

Du hast die Wahl – immer, an jedem Tag. Eines hat Euer Anspiel gezeigt: Das Ende der Geschichte war immer gleich, egal, wie vorher entschieden wurde. Es kam zur Begegnung des Anselm mit Gott. Das ist unsere Hoffnung bei allen Entscheidungen: Dass am Ende alle Wege zu Gott führen und Wege mit Gott sind. Denn: „Wie steht es mit dem Menschen, der den Herrn ernst nimmt? Der Herr zeigt ihm den Weg, den er wählen soll.“ Amen.