24. Dezember 2016 - Heiliger Abend Christmette


Predigt zu 2. Samuel 7,4-6.12-14

Liebe Gemeinde!

Ein merkwürdiges Weihnachtsbild sehen wir hier. Es ist sicher schon zwanzig Jahre her, dass ich es das erste Mal sah – aber immer wieder entdecke ich neue Details.

Da ist eine Stadt im vorweihnachtlichen Trubel. Menschen hasten durch die engen Gassen, gehen an hell erleuchteten Schaufenstern vorbei, Christbäume werden verkauft, Nikolaus und Sternsinger sind unterwegs, ein Drehorgelspieler macht Musik genauso wie die Turmbläser. Letztlich der normale Wahnsinn vor dem Fest – angestrengte Bemühungen, um schöne Weihnachten zu feiern. Um tatsächlich etwas zu erfahren vom Wunder der Geburt von Bethlehem.

Ich glaube nicht, das unsere oft so rastlosen Vorbereitungen für Weihnachten nur äußerlicher Konsumrausch sind. Sondern dahinter steckt der Wunsch nach mehr: Nach Geborgenheit. Dass etwas wahr wird in unserem Leben von der Weihnachtsbotschaft: Gott kommt zu uns in unser Leben, er steht uns zur Seite, er gibt uns Halt, wo uns so oft im Alltag der Halt verloren geht.

Aber das Bild drückt zugleich eine Gefahr aus, in die wir leicht geraten bei unseren vorweihnachtlichen Anstrengungen: Dass wir am Eigentlichen vorbeigehen. Wie die Menschen in dieser Stadt, die das Entscheidende übersehen.

In einer Baulücke, in einem baufälligen Schuppen ereignet sich die Geburt. Josef hält das Kind, Maria erholt sich im Stall, die Hirtenkinder sind da mit ein paar Lebensmitteln. Ganz heruntergekommen ist die Heilige Familie.

Die Menschen könnten dem Geschehen von Bethlehem begegnen, wenn sie einfach innehalten würden. Ihre Anstrengungen sein lassen, das Gedränge verlassen, die Taschen abstellen. Und durch die Mauer zu diesem Stall kommen.

Das ist ein wenig so wie der König David, von dem wir vorher gehört haben. Er wollte in bester Absicht für Gott etwas leisten: ihm ein Haus bauen. Doch Gott lehnt das ab – er zeltet lieber bei seinen Leuten, dort wo er gebraucht wird, wo Menschen Hilfe suchen.

Stattdessen verbindet er sich fest mit den Menschen. Er nennt Davids Sohn und Nachfolger Salomo, der tatsächlich dann den Tempel bauen durfte – wohl wissend, dass der Gott nicht fassen kann. Sein Königtum wird von Gott befestigt und auf Dauer Bestand haben. Eine enge Beziehung zwischen Gott und dem König: Gott wird für den König Vater sein, der König wird Gottes Sohn genannt.

Diese enge Beziehung, diese Nähe Gottes zu den Menschen, sein Zelt, das Gott aufbaut, wo er gebraucht wird – das überstand sogar das Ende des Staates Israel und des salomonischen Tempels, das überstand die Entmachtung der Nachkommen Davids. Weil Israel auf einen neuen König hoffte, einen Sohn Gottes, in dem Gott ganz nahe zu den Menschen kommt. Sein Zelt bei ihnen aufschlägt.

Für uns Christen ist dieser König in Bethlehem, der Stadt Davids geboren. In ihm hat Gott sein Zelt gebaut, dort wo Menschen ihn brauchen. Wie in dem Bild mitten in der turbulenten Stadt. Unscheinbar, leicht zu übersehen und doch da. Er sagt zu, was einst Gott David deutlich mache: Ich war da als der, der im Zelt mitzog und begleitete.

Das macht Gott auch uns an diesem Weihnachtsabend deutlich: Ich baue mein Zelt in deinem Leben. Ich begleite dich, wo du auch hingehst.

Das entdecken wir, wenn wir uns Zeit nehmen für ihn. Heute Abend alle Anspannung fallen lassen. Alle Hektik der Tage vorher bei der Arbeit, in der Schule, bei der Festvorbereitung loslassen. Durch die Mauer an die Krippe treten. Und sagen: Da bin ich, wie ich bin. Mit allem, was gut ging. Mit allem, was mich belastet. Mit dem, worüber ich mich heute Abend gefreut habe. Und mit dem, was nicht meinen Erwartungen und Wünschen entsprach. Mit dem allem komme ich zu dir. Komme du jetzt auch zu mir.

Zu vertrauen: Der Gott, der so weit heruntergekommen ist, der mit dem Volk Israel in der Wüste zeltete, bei den Hirten im Stall von Bethlehem in der Futterkrippe zur Welt kam, der sich mit dem Volk Israel verbündete, in seinem Sohn der Vater aller Menschen wurde – der kommt auch in mein Leben. Wenn ich alle Leistung, alle Anstrengung loslasse.

Wenn wir uns von ihm begleiten lassen, dann geht Gott mit uns in die Zukunft. Auch in unseren Alltag nach Weihnachten. In die Durststrecken und in das, worüber wir uns freuen. Bei dem, was gelingt, und dort, wo wir scheitern. Bis auf den heutigen Tag begleite ich dich und auch morgen und übermorgen. Amen.