24. Dezember 2016 - Heiliger Abend Christvesper


Predigt zu Johannes 3,16

Liebe Gemeinde!

Die Welt sehen wir hier. Die Welt, in der es jetzt wieder Weihnachten wird. Und die zugleich mit Weihnachten ganz tiefe Sehnsüchte verbindet: Sehnsucht nach Geborgenheit – wo doch so vieles erschüttert wurde in diesen letzten Monaten: Furcht vor Anschlägen, vor Wohnungseinbrüchen, vor Gruselclowns und was auch immer. Sehnsucht nach Hoffnung, dass es einem selbst, der eigenen Familie gut geht. Dass der Beruf Auskommen und Erfüllung schenkt. Sehnsucht nach Frieden in einer unruhigen Welt, die Menschen in unser so friedliches Land flüchten lässt. Und hinter dem allem steckt die Sehnsucht nach Liebe. Gerade an so einem Heiligen Abend, wenn wir es uns mit unserer Familie in unseren Häusern schön machen wollen, zusammen sein, uns beschenken.

Doch Sehnsüchte bedeuten zugleich: Sicher ist es nicht, dass uns Geborgenheit, Hoffnung, Frieden, Liebe geschenkt wird. Wie kann der Vorhang dieser Welt sich öffnen, dass Liebe sichtbar wird? Unser Bemühen allein reißt diesen Vorhang nicht auf, dass Liebe herrscht.

Deshalb spricht der Evangelist Johannes von einer anderen Liebe: So sehr hat Gott die Welt geliebt. Eine Liebe, die nicht in uns Menschen liegt, die ja so oft überrascht sind und enttäuscht von der Lieblosigkeit, zu der Menschen fähig sind – auch wir selbst übrigens. Eine Liebe, die von außen kommt. Von Gott.

Aber wie soll das geschehen? Was steht hinter dem Vorhang unserer Sehnsucht nach Liebe? Da steht die Krippe von Bethlehem. Gott kommt in diesem Kind in unsere Welt. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab.“ Gott teilt unser Leben in dieser Welt.

Er erlebt in diesem Stall von Bethlehem selbst, was es heißt, nicht geborgen zu sein. Ungeschützt als Säugling im Futtertrog. Eigentlich hoffnungslos angesichts der eigenen Armut, der Gewalt der Machthaber damals – ob Augustus in Rom, der sie zur Geburt im Stall zwang, oder Herodes in Jerusalem, der die junge Familie rasch in die Flucht trieb. Frieden gab es damals nicht – außer vielleicht dem Frieden durch Einschüchterung – dem römischen Frieden. Das alles hat das Kind in der Krippe mit uns Menschen geteilt.

Deshalb geht der Satz des Johannes weiter: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.“ Gott teilt nicht nur unser Leben als Menschen mit uns. Sondern er schenkt damit Geborgenheit, Hoffnung, Frieden und Liebe, die wir nicht selbst schaffen können. Weil er sich als stärker erwiesen hat – damals in der Nacht von Bethlehem: Die Machthaber konnten ihn nicht aus dem Weg schaffen. Seine Liebe hatte Bestand. Und später zeigte er mit seiner Auferstehung, dass sogar der Tod nicht die Geborgenheit, die Hoffnung, den Frieden und die Liebe Jesu zerstören konnte. Er hält diese Welt in seinen Händen. Er macht sie hell mit seinem Licht.

Das verändert uns Menschen, wenn wir ihm vertrauen. Wenn wir im Licht von Weihnachten leben. Dann vertrauen wir: bei ihm sind wir geborgen, wie unsicher uns die Welt erscheint. Er stiftet für uns Hoffnung sogar über dieses Leben hinaus, egal was uns Sorgen macht. Durch ihn haben wir Frieden mitten in allem Unfrieden, den wir erleben. Durch ihn sind wir geliebt – bedingungslos.

Wenn wir in dieser Geborgenheit leben, mit dieser Hoffnung, mit diesem Frieden, mit dieser Liebe – dann verändern wir diese Welt. Tauchen sie ins Licht von Weihnachten. Ins Licht der Liebe Gottes. Und machen sie zu einem Ort des Friedens. Zu einem Platz der Liebe.

Dann haben wir und viele Menschen immer noch Sehnsüchte. Aber wir haben zugleich einen, der sie mit uns teilt. Der sie uns stillt. Und durch den wir dieser Welt und ihren Menschen nahe sein können. Die Geborgenheit schenken, Hoffnung wecken, Frieden stiften, Liebe leben. Amen.