24. Dezember 2017 - Christvesper


Predigt zu Jesaja 9,1-6

Liebe Gemeinde,

manchmal haben wir den Eindruck, es wird dunkel in unserer Welt. Da gibt es die großen, weltweiten Dinge, die uns Sorge machen. Die Gefährdung unserer Umwelt, die Nachrichten von Kriegen und Konflikten, von Gewalt und Flucht. Sorgen um die Zukunft, die selbst in einem reichen Land wie bei uns nicht ausgeblendet werden können.

Dazu Dunkles im persönlichen Leben. Krankheit, Trauer, Streit, Sorgen, wie es weiter geht im eigenen Leben, mit der Familie, mit Menschen, die uns nahestehen.

Solche Fragen und Sorgen, Ängste und Befürchtungen verdunkelten schon immer das Leben von uns Menschen. Frühere Generationen empfanden das vermutlich noch stärker als wir, die weniger friedliche Zeiten, weniger materiellen Wohlstand, weniger technische und medizinische Möglichkeiten hatten.

Schon immer, war der Wunsch da, dass das Dunkle hell wird. Dass ein Licht kommt, das Orientierung gibt, das uns hilft. Und genau das kündigte der Prophet Jesaja seinem Volk an. Als sie von Krieg und Gewalt, Flucht und Hunger bedroht waren. Da sagt er: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein helles Licht. Und über denen, die im finsteren Land wohnen, scheint es hell.“

Über Licht im Dunklen freut sich jeder. Das ging mir schon als Kind so, wenn ich nachts im dunklen Zimmer lag und unter dem Türspalt kam das Licht aus dem Flur durch. Oder bei Nachtwanderungen, wenn Sterne oder beleuchtete Häuser Orientierung geben.

Aber welches Licht weckt Freude für Menschen, die das Gefühl haben: In meinem Leben ist es dunkel? Jesaja kündigt seinem kriegsgeplagten Volk Frieden an, den Unterdrückten Befreiung: Das Joch, das sie unterdrückt, das Gewicht, das sie niederdrückt, der Stab, der sie schlägt: all das soll zerbrochen werden. Die rüstungsstarrenden dröhnenden Soldatenstiefel, die blutgetränkten Kleider verbrannt.

Das wäre für die Menschen in den Kriegsgebieten bis heute ein Lichtblick. Und auch wir wünschen uns, dass das, was uns niederdrückt, was uns innerlich und äußerlich antreibt und stresst, zerbrochen wird. Unfrieden und Streit in Flammen aufgehen und vernichtet wären.

Aber wer kann das schaffen? Alle selbsternannten Heilsbringer sind gescheitert, haben die Krise eher größer gemacht. Jesaja erwartet das Licht im Dunkel, die Freiheit vom Druck, den Frieden im Streit von einem Neugeborenen: Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben.“

Nicht von einer großen und starken Person erwartet der Prophet die Wende, sondern von einem kleinen und schwachen Säugling. Wie das?

Zunächst dadurch, dass jede Geburt Hoffnung weckt. "Jedes neugeborene Kind bringt die Botschaft, dass Gott sein Vertrauen in die Menschheit noch nicht verloren hat." So schrieb es der indische Literaturnobelpreisträger Rabindranath Tagore. Aber gibt es nicht Geburten, die unter so erbärmlichen Umständen stattfinden, dass doch jede Hoffnung verloren geht? Wenn wir nur die Bilder aus dem Jemen anschauen von Kindern im Krieg.

Aber die Geburt, von der Jesaja spricht, ist anders. Weil Gott dieses Kind zum Hoffnungsträger macht. Weil Gott in dieses Kind seine Kraft legt. Seine Stärke in die Schwachheit. Das zeigen die Namen, die diesem Kind beigelegt werden: Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.

Was bedeutet das? Da hat einer den Plan, wo wir ratlos sind. Da hat einer Kraft, wo wir schwach sind. Da hat einer Geduld und langen Atem, wo uns die Zeit fehlt. Da stiftet einer Frieden, wo wir Krieg und Streit spüren.

Heute an Weihnachten blicken wir Christen auf so ein neugeborenes Kind, das Gott ins Dunkel unserer Welt gesandt hat. Jesus, das Kind von Bethlehem, soll die Wende bringen. Doch wie merken wir das? Dass er einen Plan hat für uns? Uns Kraft gibt? Geduldig für uns sorgt? Frieden stiftet? Hat sich durch Weihnachten irgendetwas am Dunklen in unserer Welt geändert?

In der ersten heiligen Nacht haben die Hirten die Wende entdeckt, als sie sich auf den Weg zu diesem Kind gemacht haben. Wären sie auf dem Feld geblieben, hätte sich nichts verändert. So sollen auch wir zu diesem Kind in der Krippe, zu Jesus kommen. Wir haben es leichter als die Hirten. Wir brauchen nur zu beten.

Unsere Ratlosigkeit und Planlosigkeit sagen. Und die unscheinbaren Zeichen auf unserem Lebensweg wahrnehmen – offene und verschlossene Türen, hilfreiche und kritische Mitmenschen, scheinbare Zufälle. Dann mutig unseren Weg gehen.

Unsere Schwäche, unsere Ängste nicht verdrängen. Vor ihm aussprechen. Und unsere Kraftquellen in den Blick nehmen. Weg kommen vom Gejammer und der Defizitorientierung. Herauskommen aus der bequemen Opferrolle. Dadurch ihn als starken Gott spüren.

Vertrauen, dass er an jedem Tag da ist. Jeden neuen Tag nicht als Last, sondern als Geschenk sehen. Geschenk aus Jesu Geduld und langem Atem. Nicht sagen: Ich habe keine Zeit. Sondern: Auch heute sind mir wieder 24 Stunden Lebenszeit geschenkt.

Und dadurch Frieden erfahren. Selbst im Streit. Wenn ich vertraue: Dieses Kind ist auch in mir zur Welt gekommen. Schenkt mir Geborgenheit. Dann nicht mehr krampfhaft um mein Recht kämpfen muss. Zum Frieden in meinem Umfeld beitragen – und damit auch zu einem Stück Frieden in unserer Welt.

Dann wird es hell in meinem Leben, in unserer Welt. Dann wird es durch dieses Kind Weihnachten bei uns. Und weckt Hoffnung, dass dieses Licht siegen wird über alles Dunkel: Wenn seine Herrschaft groß wird und der Frieden kein Ende hat. Dass er es festmacht und stützt durch Recht und Gerechtigkeit. Von nun an für immer. Das tut der Eifer des Herrn Zebaoth. Amen.