24. Dezember 2018 - Christmette


Predigt zu 1. Timotheus 3,16

Liebe Gemeinde!

Der Heilige Abend ist fast vorüber. Die Geschenke sind ausgepackt. Das Essen verzehrt, die Gläser geleert. Dabei ging es uns im Normalfall nicht darum, dass wir uns Dinge geschenkt hätten, die wir unbedingt brauchten und uns nicht leisten könnten. Ebenso wenig wären wir ohne das Weihnachtsmenu verhungert oder verdurstet. Eigentlich haben wir alles – dennoch beschenken wir uns, dennoch geben wir uns viel Mühe beim Kochen und vorher beim Einkaufen.

Denn unsere Weihnachtsfeier transportiert mehr als nur das Schenken, Essen und Trinken. Es geht nicht in erster Linie um ausgerüstet und satt werden. Sondern damit drücken wir unsere Beziehung aus: Dass wir als Familie beim gemeinsamen Essen Zeit füreinander haben. Dass wir uns Gedanken gemacht haben, mit welchem Geschenk wir wem eine Freude machen könnten. Es geht um unsere Beziehungen zueinander. Essen, Trinken und Geschenke sind nur der äußere Ausdruck dessen.

Das ist ähnlich beim ganzen Geschehen von Weihnachten: Das Kind in der Krippe, Engel und Hirten, Maria und Josef – sie sind nicht nur Personen einer etwas merkwürdigen Geburtsgeschichte unter schwierigen Umständen. Sondern dieses Geburtsgeschehen transportiert mehr. Nämlich ebenso eine Beziehung. Das Weihnachtsgeschehen ist Beziehungsgeschehen: Beziehung zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Mensch.

Das wird deutlich an einem alten Christushymnus, den der Apostel Paulus im ersten Brief an Timotheus zitiert:

"Groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.“

Das Geschehen hinter dem Weihnachtsgeschehen heißt hier ein Geheimnis – und zwar nicht ein Geheimnis, das verschwiegen werden soll, sondern vielmehr: ein Geheimnis, das jedermann bekennen soll. Geheimnis heißt in der Sprache der Bibel: Gott hinter den Dingen in dieser Welt entdecken. Denn: Gott ist in dieser Welt da. Im Elend dieser Geburt in erbärmlichen Verhältnissen tritt Gott in diese Welt ein.

Es ist ein Geheimnis des Glaubens: Es verankert also den Glauben an Gott in dieser Welt. Es prägt die Glaubenspraxis und die Lebensweise der Christen hier auf dieser Erde. Indem Gott mit seiner Kraft, mit seinem Geist für diesen Christus eintritt. Dass in ihm Gottes Kraft hereinkommt: in die Schwäche des Stalles von Bethlehem und seitdem überall hin, wo Menschen schwach sind. Sogar in die Nacht des Todes – und er hat sie besiegt als er den gekreuzigten Jesus auferweckt hat.

Der Himmel verbindet sich mit der Erde, gerade dort wo das Leben so wenig himmlisch erscheint. Er, der vor den Engeln sich gezeigt hat, wird allen Völkern verkündet. Das war schon in der ersten heiligen Nacht so als die Engel zu den Hirten kamen. Und das ist seitdem so, wenn Menschen einander zu Engeln werden – also zu Boten Gottes, die gerade dorthin ein Stück vom Himmel bringen, wo nichts an den Himmel erinnert. Diese Botschaft ist grenzenlos – sie gilt allen Völkern. In einer Welt, die gerne Grenzen zieht und Mauern aufrichtet, überschreitet Gott alle Grenzen. Sollen wir als seine Boten den Himmel überall auf diese Erde bringen – grenzenlos.

Diese Botschaft findet in der ganzen Welt Resonanz – machen wir uns klar, wie viele mit uns heute Weihnachten feiern. Und Christus geht aus der Schwäche dieser Welt in die Herrlichkeit Gottes. Weihnachten öffnet uns auf der Erde den Himmel.

Das Weihnachtsfest öffnet uns die Perspektive: dass wir nicht zu klein denken von uns, von unserer Welt, von den anderen Menschen. Wenn Gott in die Armut eines Stalles mit der ganzen Herrlichkeit des Himmels kam, gibt es keine unbedeutenden Orte, keine unbedeutenden Menschen, keine unbedeutenden Lebensverhältnisse mehr.

Jedes Leben ist Gott so viel wert, dass er dorthin kommt. Dass er den Himmel öffnet. Einen Weg zur Herrlichkeit bahnt. Gott stellt die Beziehung her zu uns, er bringt den Himmel überall hin.

Egal, was uns heute belastet, was vielleicht sich sogar an diesem Heiligen Abend schwer auf uns legt, Gott kommt da hinein. Macht es zu seiner Krippe. Geht mit uns durch diese Feiertage und danach in das neue Jahr. Egal wie wenig beachtet wir uns fühlen, da ist einer, der auf uns achtet. Er trägt und hält uns.

Das verändert uns. Wir können auch den anderen so begegnen: zu ihnen kommt Gott und in ihnen begegnet uns Gott. Gott überschreitet Grenzen, so dass wir ebenso Grenzen überschreiten können. Dann ist Weihnachten mehr als nur Essen, Trinken und Geschenke. Es ist das Fest der Gemeinschaft. Der Gemeinschaft zwischen Gott und uns. Der Gemeinschaft unter uns. Amen.