24. Dezember 2019 - Christvesper


Predigt zu Hesekiel 37,26-28

Liebe Gemeinde!

Ein Bild der Geborgenheit, diese Szene aus dem Stall von Bethlehem. Josef, Maria, das Kind eng umschlungen im Stroh, umgeben von Ochs und Esel. Maria hält das Kind, Josef hält Maria. Die Tiere passen auf. Dieses Bild der Geborgenheit, das für uns zu Weihnachten dazugehört.

Weil wir selber gerne so gehalten, geborgen, beschützt, geliebt wären. Weil wir uns sehnen nach einem lieben Menschen, nach Wärme, nach Harmonie und Frieden. Im Kleinen unser Herzen, Häuser und Familien. Im Großen unserer Gesellschaft und unserer Welt. Deshalb lieben wir die Weihnachtskrippen – weil sie das für uns verkörpern. Damit eine Sehnsucht verkörpern, die in unserem Leben oft kaum eingelöst werden kann.

Und deshalb Weihnachten oft so wenig der Sehnsuchtsort werden kann, den wir uns erhoffen und erträumen. Darum mancher Stress vor Weihnachten und manche Enttäuschung an und nach Weihnachten an der Tagesordnung ist.

Bei diesen Gedanken, Überlegungen, Sehnsüchten kann uns helfen, eines nicht zu vergessen: Hüten wir uns davor, das Geschehen in der Krippe zu schnell als Sinnbild der Harmonie, des Friedens, der Geborgenheit zu deuten. Es waren ja doch Menschen auf der Flucht. Im provisorischen Notquartier abgestiegen. Eine Geburt unter erbärmlichsten Umständen, wo nicht klar war, wie das Leben weitergehen sollte. Aber genau in diesen im Grunde nicht harmonischen, unfriedlichen unsicheren Verhältnissen bringt Maria ihr Kind zur Welt. Kommt Gott selbst in diese Welt durch dieses Kind.

So wie Gott immer dort Wohnung nimmt, wo Menschen ängstlich, unsicher, ohne Frieden sind. So wie Gott es bereits durch den Propheten Hesekiel ankündigte:

Ich schließe mit ihnen einen Bund für alle Zeiten und verbürge ihnen Glück und Frieden. Sie sollen sich vermehren und zu einem großen Volk werden. Für immer wird mein Heiligtum in ihrer Mitte sein; ich will bei ihnen wohnen und ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Wenn die Völker sehen, dass mein Heiligtum für alle Zeiten in ihrer Mitte ist, werden sie erkennen, dass ich der HERR bin, der Israel als sein heiliges Volk erwählt hat.'

Damals verspricht es Gott durch den Propheten im militärisch besiegten und zerstörten Jerusalem, den Menschen, die die Babylonier weggeführt haben. Genau bei euch, in den Trümmerhaufen eures Versagens und in den Schutthaufen eures Unglücks, nehme ich mir meine Wohnung. Inmitten von Krieg und Streit schließe ich meinen Bund des Friedens. Inmitten von Unglück verspreche ich Glück. Inmitten von Tod und Vergänglichkeit hat mein Bund Bestand für alle Zeit.

Genauso war es in der Nacht von Bethlehem. Trotz des Misstrauens und des Hasses der Mächtigen. Trotz der Obdachlosigkeit von Maria und Josef. Gott nimmt in diesem Stall seine Wohnung. Kommt in diesem Kind zur Welt. Wird ein Viehstall zum Heiligtum, weil dort Himmel und Erde, Gott und Mensch, himmlische Kraft und irdische Schwäche einander berühren.

Wenn wir das nicht vergessen, kann das Geschehen von Bethlehem uns helfen bei unseren Sehnsüchten. Nicht, weil sie da schon gestillt wären. Weil der versprochene Frieden bereits da wäre, weil da kein Leid und kein Tod mehr herrschten. Ganz im Gegenteil – bereits das neugeborene Kind musste flüchten. Nicht weil die Zusage, die Gott durch den Propheten gemacht hat, bereits eingelöst wäre. Sondern weil Gott gerade in dieser Welt Wohnung nimmt. Uns ganz nahe ist. Mit seinem Frieden, seinem Glück, seinem Leben, das stärker ist als der Tod.

So wie die Hirten in der Nacht von Bethlehem in den Stall kamen und dort Frieden fanden, so können wir zu dem Gott kommen, der mitten in unserem so oft unglücklichen Leben Wohnung nimmt. Der in unseren Herzen wohnt. Mitten in dem, was uns freut, und in dem, was uns belastet. Wir können zu ihm kommen, wenn wir beten. Sagen, was uns beschäftigt.

Das, was die Völker erkennen sollen, selbst wahrnehmen: Gott ist da – sogar in einem Leben, in dem nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen. Dann kann das Bild von Josef, Maria und dem Kind doch zu einem Bild der Hoffnung werden. So wie sie einander Halt und Geborgenheit geben, so sollen wir uns Halt und Geborgenheit spenden. Wie sie füreinander da waren im Stall, sollen wir in unserer Welt füreinander da sein. Frieden und Geborgenheit spenden. Dann ist Gott für uns da und wir leben in dem Bund des Glückes und des Friedens – in diesem Leben und für alle Zeit. Amen.