24. September 2017 - 15. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest


Predigt zu Lukas 18,28-30

Liebe neue Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Liebe Gemeinde!

Wer unterwegs ist, muss sich entscheiden. Das habt Ihr mit Eurer Installation auf der Wegkreuzung klargemacht. Nicht nur auf Wald-Wanderwegen gibt es Kreuzungen und Weggabelungen. Die gibt es auch auf unserem Lebensweg. Ich muss mich entscheiden: Zwischen verschiedenen Schulen. Welche Sportart übe ich aus? Oder gar keine? Welches Musikinstrument lerne ich? Oder eben keines? Welche Fremdsprachen lerne ich in der Schule? Später Berufswahl, Wohnort, Lebensformen. Nicht nur in der Politik ist heute Wahltag. Sondern an jedem Tag auf dem Lebensweg treffe ich unendlich viele Entscheidungen.

Auf den Waldwegen helfen uns Wegweiser. Es gibt Landkarten, GPS-Geräte, Navigationsgeräte. Aber auf dem Lebensweg? Was hilft uns da bei unserer Wahlentscheidung? Bei der Richtungsentscheidung? Bei den großen und kleinen Orientierungsfragen?

Für die ersten Jünger Jesu schien die Sache sehr einfach. Da begegnete ihnen Jesus und sie machten sich auf den Weg mit ihm. Doch einfach erscheint dieser Weg der Jünger mit Jesus nur uns im Nachhinein. Für diese Männer und Frauen, die mit Jesus unterwegs waren, war das alles andere als einfach. Denn sie gaben Beruf und Familie auf, um mit einem ihnen fremden Mann aus Nazareth herumzuziehen.

Weil diese Entscheidung für den Lebensweg mit Jesus nicht einfach war, fragte einmal der Jünger Petrus seinen Herrn: „Siehe, wir haben alles, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“ Jesus aber sagte ihnen: „Amen, ich sage euch: Es gibt niemanden, der Haus, Frau, Brüder, Eltern oder Kinder verlässt für das Reich Gottes, der es nicht vielfältig empfange in dieser Zeit und in der zukünftigen Zeit das ewige Leben.“

Von uns heute werden keine so harten Entscheidungen verlangt auf unserem Lebensweg wie von den ersten Jüngern Jesu. Aber natürlich bedeutet jeder Lebensweg: Ich werde älter. Ich ziehe aus dem Elternhaus einmal aus. Ich muss manchmal alte Freunde zurücklassen und gewinne wo anders neue. Seit ich vor 34 Jahren Abitur gemacht habe, bin ich zehn Mal umgezogen. Meine ehemaligen Klassenkameraden und Freunde aus der Schulzeit treffe ich nur alle fünf Jahre, wenn wir wieder Abiturtreffen machen. Die meisten Menschen, mit denen ich Tag für Tag hier zu tun habe, kenne ich erst seit drei Jahren. Deshalb fällt es mir langsam immer schwerer, mir Namen zu merken.

Wo finde ich Orientierung auf meinem Lebensweg, mit seinen Umbrüchen, Kreuzungen, Entscheidungen? Wie die ersten Jünger können auch wir mit Jesus unterwegs sein. Nicht mehr durchs Land ziehen, aber vertrauen: Er ist bei uns – unsichtbar. Wir können auf schwierigen Wegstrecken mit ihm reden. Beten. Uns Hinweise geben lassen: durch scheinbare Zufälle. Indem wir unsere Fähigkeiten und Begabungen entdecken und Wege einschlagen, wo wir diese entfalten können. Er begleitet uns durch Menschen, die er uns an die Seite stellt. Auch die Bibel, die Ihr nachher bekommt, kann eine solche Entscheidungshilfe werden. Weil wir in ihr die Erfahrungen lesen können, die Menschen gemacht haben auf ihrem Lebensweg mit Gott. Und: Selbst, wenn wir auf einem Lebensweg manches loslassen und aufgeben müssen – Gott schenkt uns immer Neues dafür: neue Aufgaben, neue Heimat, neue Freunde.

Und – so sagt es Jesus seinen Jüngern – er gibt uns in der zukünftigen Zeit das ewige Leben. Ein Leben, das nicht vergeht. Das bei Gott weitergeht auch nach dem Tod. Das was Eure Landschaft hier zum Ausdruck bringt. Eine Welt – abgegrenzt vom Bösen, nahe bei Gott.

Auf dieses Ziel gehen wir zu – egal an welchen Kreuzungen unseres Lebensweges wir welche Entscheidung treffen. Ob wir über den eingeschlagenen Weg glücklich sind oder ihn bereuen – in jedem Fall bringt Gott uns zum Ziel.

Deshalb sind wir auf diesem Weg mit Gott geborgen. Von seiner Kraft umgeben, wie ihr das in den Baumstumpf hinein gestaltet habt. Zum Psalmvers: Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Der Lebensweg fordert von uns Entscheidungen. Wenn wir uns so von Jesus begleitet wissen, können wir mutig Entscheidungen treffen. Weitergehen im Vertrauen: In jedem Fall führt Jesus unseren Weg zu einem guten Ziel: dem ewigen Leben. Amen.