25. Mai 2017 - Christi Himmelfahrt


Sprecherfolge: Wo wohnt Gott? (Bilder auf Liedblatt)

Einleitung: Wo wohnt Gott? Eine Frage, die sich an Christi Himmelfahrt sehr schnell stellt. Wenn wir hören, dass Jesus zu Gott in den Himmel ging und nicht mehr sichtbar bei seinen Jüngern ist – was bedeutet das? Wo ist er jetzt? Wo ist der Himmel? Wo wohnt Gott? Eine einfache Frage mit vielen Antworten, wie wir gleich merken:

  1. (Bild: Pflanzen und Tiere) Gott ist in der ganzen Na­tur. Schaut Euch doch auf diesem Feld um – wie viele ver­schie­de­ne Gräser, Blumen, Bäume es gibt. Das zeigt doch den ganzen Reich­tum Gottes. Ebenso die vielen Tiere. Da begegnet uns Gott. Er hat das al­les geschaffen. Aber begegnet er uns nur dort?
  2. (Bild: Menschen) Das wäre ja wohl ein bisschen we­nig, wenn Gott nur in der Natur wäre. In anderen Menschen be­geg­net er uns auch. Wenn mir jemand hilft, wenn mir jemand Mut macht, wenn mir jemand zuhört – dann ist das oft ein Ge­schenk Gottes. Er hilft mir dadurch.
  3. (Bild: Sonne, Mond, Sterne): Aber was ist, wenn ich ein­mal einsam bin? Wenn gerade kein Mensch da ist. Dann ist doch Gott trotzdem da. Daran erinnert mich der Himmel. Gott wohnt im Himmel. Schaut doch mal nach oben: So ungeheuer weit ist der Himmel, das Weltall, die vielen Sonnensysteme. Und Gott ist noch viel größer.
  4. (Bild: Kirche) Bei den vielen unendlichen Son­nensystemen wird es mir ja ganz schummrig im Kopf, wenn ich nur drandenke. Da ist mir der ruhige Platz in einer Kirche viel lie­ber. Wo schon so viele Menschen gesungen und gebetet haben. Wo Gott seine Nähe zuspricht in der Taufe. Oder wenn wir Abend­mahl feiern. Wo ich mich auf Gott konzentrieren kann. Die Kir­che ist für mich das Haus Gottes.
  5. (Bild: Herz): Ob in der Natur, über den Ster­nen, bei anderen Menschen oder in der Kirche. Wichtiger ist mir, dass Gott in meinem Herzen wohnt. Dass er ganz nahe bei mir ist – egal wo ich bin. Dass ich mit ihm reden kann. Überall und je­der­zeit. Aber manchmal bin ich zu müde oder zu schwach dazu. Was dann?
  6. (Bild: Bibel): Da begegnet mir Gott im Wort der Bibel. Er spricht mich an. Wenn ich die Geschichten lese, wie Je­sus Menschen geholfen hat. Wenn ich die Zusagen Gottes lese bei den Propheten. Oder seine Gebote mir Orientierung geben. Die Bi­bel ist Gottes Wort.
  7. (Bild: Jesus): Aber das geht ja nur, weil uns in Jesus Gott begegnet. In ihm hat sich der unsichtbare Gott gezeigt. Doch heu­te ist Himmelfahrt. Der Tag, an dem sich Jesus von seinen Jün­gern verabschiedet hat. Seitdem ist er nicht mehr sichtbar bei uns.

Schluss: Wo wohnt Gott? Sieben Antworten haben wir gehört. Sieben Antworten, die alle irgendwie Recht haben. Aber keine ge­nügt allein.

Erzählung zu 1. Könige 8,22-24.26-28

Jetzt ist der Tag da! „Der Tag – so lange habe ich schon auf ihn ge­war­tet. Endlich ist es so weit.“ Er merkt: Seine Hände zittern etwas, als er die Knöpfe seines Mantels zumacht. Sieben Jahre lang hatten sie ge­baut. 30.000 Leute hatten Holz geschlagen. 80.000 Menschen Stei­ne aus dem Steinbruch herausgebrochen. 70.000 Arbeiter den Trans­port übernommen. Und die vielen Handwerker, Steinmetze, Künstler auf der Baustelle selber. Ein wenig stolz schaut er aus dem Fenster sei­nes Palastes hinüber zu diesem Prachtbau. Der Tempel – er ist fer­tig. Heute ist der Tag der Einweihung. Und er der König Salomo ist der Bauherr. Was sein Vater David nicht durfte – das hat Gott ihm er­laubt. Heute wird Gott in sein Haus einziehen. Wenn sie die Bun­des­la­de hineinbringen. Den Kasten mit den Steintafeln, auf denen die zehn Gebote stehen, die Mose beim Auszug aus Ägypten am Berg Si­nai bekam. Er, Salomo, hat Gott nun ein Haus gebaut. Kein Wunder, dass er an diesem Tag ein wenig aufgeregt ist. Immer wieder schweift sein Blick hinüber zum Tempel.

Doch geht das wirklich? Plötzlich setzt sich ein Gedanke in seinem Kopf fest: Geht das wirklich? Gott ein Haus bauen? Gott kann doch nicht einfach einen festen Wohnsitz nehmen. Was ist denn sonst mit den Menschen, die nicht zum Tempel kommen können? Weil sie zu weit weg wohnen? Weil sie zu alt oder zu krank sind für die weite Rei­se nach Jerusalem? Gott ist doch eigentlich überall – überall auf der ganzen Erde. Er hat sie doch gemacht – alle Länder, das Meer, alle Men­schen, Tiere und Pflanzen.

Sa­lomo geht unruhig auf und ab. Eigentlich sollte er sich überlegen, was er nachher bei der Einweihung sagt und betet. Aber dieser Ge­dan­ke lässt ihn nicht los: Sollte Gott wirklich auf der Erde wohnen? Gott ist doch viel größer. Gott ist im Himmel. Im Himmel? Der Himmel ist weit: so viele Sterne. Aber selbst der Himmel, ja alle Himmel zu­sam­men, können doch Gott nicht fassen. Er sitzt ja nicht irgendwo auf ei­ner Wolke oder einem Stern ... Nein! Er ist viel größer. Unsichtbar über­all. Wie die Luft um uns herum. Die da ist. Überall. Die wir zum Le­ben brauchen. Und die wir trotzdem nicht sehen. Gott ist größer als al­le Himmel. Aber trotzdem ganz nah.

Salomo schließt seine Augen. Er sieht seinen Vater David vor sich. Wie er früher mit ihm gebetet hat. „Der Herr ist mein Hirte. Und ob ich schon wandelte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich.“ Ja, so nahe ist Gott. Er hört mich, wenn ich bete. Er ist sogar in meinem Herzen. Er trö­stet mich, wenn ich traurig bin. Er hilft mir. So wie er meinem Va­ter geholfen hat, so hilft er mir. Ja, Gott ist größer als der Himmel und doch ganz nahe in meinem Herzen. Er spricht zu mir in seinen Ge­bo­ten. In den Worten der Propheten. So unsichtbar nahe ist Gott.

Salomo öffnet seine Augen wieder. Das Licht blendet ihn. Der Lärm wird lauter draußen. Soldaten – seine Palastwache kommt im Gleich­schritt anmarschiert. Die Anführer der Is­rae­li­ten. Die Priester. Und vie­le, viele Leute. Sie kommen zusammen. Zum großen Ein­wei­hungs­fest. Warum eigentlich habe ich diesen Tempel als Haus Gottes ge­baut? So fragt er: Der Him­mel kann Gott nicht fassen, sollte er in die­sem Haus wohnen? In meinem Herzen wohnt er. Be­ten kann ich über­all. Warum dann dieser Aufwand?

Tief atmet er durch. Doch – der Tempel ist wichtig. Wir Menschen brau­chen einen Ort, wo wir uns auf Gott konzentrieren können. Wo wir von nichts anderem abgelenkt werden. Wo wir auf sein Wort hö­ren. Mit anderen zusammen singen und beten. Dass unser Glaube im­mer wieder gestärkt wird. Aber Gott wohnt nicht nur in diesem Haus. Er wohnt überall. Im Himmel, auf der Erde, bei jedem Menschen. Er ist nahe, unsichtbar und doch lebenswichtig – wie die Luft um uns.

Salomo hat seinen Königsmantel angelegt. Prächtig glänzt das Gold und die Seide in der Sonne, die durchs Fenster scheint. Er geht hinaus aus seinem Zimmer. Der Diener öffnet das Tor. Die hohen Beamten und Offiziere begleiten ihn. Sein Herz klopft lauter und schneller. Sie ge­hen hinüber zum Tempel. Die Leute jubeln. Der große Tag ist da. Sa­lomo weiß nun, was er nachher beten wird bei der Einweihung:

„HERR, du Gott Israels! Weder im Himmel noch auf der Erde gibt es ei­nen Gott wie dich. Du stehst zu deinem Bund und erweist deine Gü­te und Liebe allen, die dir mit ungeteiltem Herzen dienen. So hast du an deinem Diener, meinem Vater David, gehandelt. Der heutige Tag ist Zeuge dafür, dass du dein Versprechen gehalten hast. Gott Israels, lass doch in Erfüllung gehen, was du meinem Vater David, deinem Die­ner, versprochen hast!

Aber bist du nicht viel zu erhaben, um bei uns Menschen zu wohnen? Ist doch selbst der ganze weite Himmel zu klein für dich, wie viel mehr dann dieses Haus, das ich gebaut habe. HERR, mein Gott! Achte den­noch auf mein demütiges Gebet und höre auf die Bitte, die ich heu­te vor dich bringe: Richte deinen Blick Tag und Nacht auf dieses Haus, von dem du gesagt hast: 'Hier soll mein Name wohnen!' Höre mich, wenn ich von hier aus zu dir rufe, und höre auch die Gebete dei­nes Volkes Israel! Wenn wir an dieser Stätte zu dir rufen, dann höre uns in deiner himmlischen Wohnung! Erhöre uns und vergib uns alle Schuld!“ Amen.