26. Juni 2016 - Europäischer Gottesdienst


Predigt zu Markus 1,16-18

Liebe Gemeinde!

Entscheidend ist auf dem Platz – so lautet eine alte Fußballerweisheit. Beim Benefizturnier vor einem Jahr war ich auf dem Platz gefordert. Ich erhielt das Trikot mit der Nummer 10 und sollte plötzlich vorne die Rolle eines Thomas Müller oder Mesud Özil übernehmen. Natürlich war ich damit komplett überfordert. Ich kann mich vielleicht einigermaßen in die Abwehr stellen – aber dort vorne? Es fehlte an Schnelligkeit und fußballerischem Können.

Aber diese Erfahrung mache wir manchmal: Es gibt Aufgaben, die uns komplett überfordern. Wo andere oder wir uns selbst zu viel zugetraut haben. So ist das, wenn Menschen ihr Team zusammenstellen. Es kann zur Überforderung kommen. Und das zeigt sich erst bei großen Herausforderungen. Wie eben beim Fußball: Entscheidend ist auf dem Platz.

Glücklicherweise endete der Kick damals nach sechzig Minuten. Und es macht auch sonst im Leben nichts, wenn wir von Zeit zu Zeit an unsere Grenzen kommen. Nur ein Dauerzustand darf das nicht werden. Wer dauernd überfordert ist, brennt aus – Burnout.

Wenn Jesus sein Team zusammenstellt, ist das ganz anders. Denn er beruft sein Team nicht mit all den Unsicherheiten und Unwägbarkeiten, die uns Menschen so oft die falsche Mannschaftsauswahl treffen lassen. Das haben wir ja gerade im Evangelium gehört. Bei der Berufung unserer beiden Kirchenpatrone Petrus und Andreas in sein Team. Denn wenn Jesus seine Mannschaft aufstellt, tut er das in drei Schritten:

  1. Jesus sieht.
  2. Jesus ruft.
  3. Jesus begleitet.

Erster Schritt: Jesus sieht. Jesus geht am Ufer des Sees von Genezareth. Da sieht er die beiden Brüder Simon-Petrus und Andreas. Er sieht, wie sie als Fischer arbeiten. Und sieht zugleich mehr: Sie könnten ihr Netz noch weiter auswerfen. Nicht nur Fische fangen, sondern sich mit anderen Menschen vernetzen. Sie in Kontakt mit Jesus bringen.

Wir Christen vertrauen: So sieht Jesus in jedes Leben. Wenn du und ich uns mit unserem ganz normalen Alltag abmühen. Manchmal ohne große Perspektive Tag für Tag unsere Arbeit tun. Am Schreibtisch, an der Maschine, im Haushalt. Jesus sieht jeden. Jeder mit seinem alltäglichen Geschäft ist ihm wichtig. Keiner mehr und keiner weniger. Er sieht uns an, wie der Scout eines Fußballvereins einen Nachwuchsspieler sichtet. Er sieht, wo wir in seinem Team einen Platz haben. Warum unsere Arbeit für ihn wichtig ist und Perspektive hat. Oder welche neue Aufgabe er uns zutraut. Wie Andreas und Petrus. Jesus sieht sie. Jesus sieht uns.

Daraus folgt der zweite Schritt: Jesus ruft. Er spricht die beiden Fischer an. Kommt her. Folgt mir. Ich mache euch zu Menschenfischern.

So spricht er uns an – mitten im Alltag. Komm mit. Ich habe etwas vor mit dir. Ich brauche dich in meinem Team. Uns begegnet er nicht so direkt wie den beiden Fischern. Aber er zeigt es uns durch Türen, die er uns öffnet. Und Türen, die er uns verschließt.

Wenn ich das eigene Leben betrachte: Ich habe im Alter von zwanzig Jahren nicht gesagt: In dreißig Jahren will ich Pfarrer in Niederstotzingen sein. Sondern es war eine Folge von versperrten Türen mit den damit verbundenen Enttäuschungen. Und von offenen Türen mit vielen Überraschungen. Sie führten dazu, dass ich heute hier bin – und ich froh darüber bin. So ruft Jesus.

Der dritte Schritt: Jesus begleitet. Er sagt zu Simon und Andreas nicht: Jetzt macht mal und geht los. Sondern: „Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.“ Sie gehen mit Jesus und Jesus geht mit ihnen. Wenn Jesus so in sein Team ruft, überfordert er uns nicht. Weil er selber mitspielt. Weil er selber mit auf dem Platz ist, wo wir gefordert sind. Wir leben in seiner Gemeinschaft.

Als ich vor einem Jahr im Pfarrersteam mitkickte, siegten wir gegen die Bürgermeistermannschaft – trotz meiner Überforderung. Weil genügend gute Mitspieler in unserer Mannschaft waren. So ist das auch bei den Herausforderungen, vor die uns Jesus stellt: Manchmal scheinen sie über unsere Kräfte zu gehen. Aber wir bewältigen sie, weil Jesus der Spielmacher seines Teams ist.

Das entdecken wir im Rückblick auf unser eigenes Leben: auf Zeiten der Krankheit, der beruflichen Belastung, von familiären Schwierigkeiten. Wenn wir diese Zeiten betrachten und feststellen: Ich habe sie gemeistert. Weil Jesus mich begleitet hat.

Entscheidend ist auf dem Platz. Nicht nur beim Fußball, sondern auch an deinem Platz, an dem du bist – jeden Tag. Vertraue darauf, dass Jesus mit dir in seinem Team aufläuft. Dass er dich sieht. Dich ruft. Dich begleitet. Amen.