26. Mai 2019 - Rogate


Kurzpredigt zu Johannes16,33

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden! Liebe Festgemeinde!

Vier Stichwörter habt Ihr hier uns vorgestellt: Welt, Angst, Frieden und Gebet. Beziehungsweise – haben wir unseren Gottesdienst überschrieben. Weil alle vier Stichwörter etwas über unsere Beziehungsweise sagen – über die Art und Weise, wie wir in Beziehung treten zu anderen Menschen und zu Gott.

Diese Beziehung wird zuerst deutlich an der Welt. Sie ist unser Wohnraum. Gottes Geschenk an uns – durch die Hand in Eurem Bild dargestellt - und zugleich bedroht durch uns Menschen. Ein Lebensraum, in dem wir gerne sind. Wo wir in vielen Beziehungen leben – zu anderen Menschen, zur Natur. Doch die Beziehungen, die wir in dieser Welt leben, bringen auch das andere: Die Welt kann ebenso zu einem Ort werden, in dem wir unter Druck geraten können. Stress haben. Wo uns manches Angst macht, unsere Sorge weckt. Deshalb sagt Jesus: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost – ich habe die Welt überwunden.“

Keiner von uns will Angst haben. Wenn uns etwas Angst macht, ist das uns eher peinlich. Aber Jesus sagt ganz nüchtern: In der Welt habt ihr Angst. Es gehört zum Leben in dieser Welt, Angst zu haben. Denn Angst ist ja eigentlich etwas Gutes. Angst ist wie eine Warnleuchte, die bei Gefahr aufleuchtet. Die uns warnt, bevor wir etwas riskieren, was uns gefährlich werden könnte.

Schwierig wird es nur, wenn die Angst uns lähmt. Wenn wir starr werden und nicht mehr handeln können. Oder Panik nach uns greift, dass wir keinen klaren Gedanken fassen können. Aber auch so eine Angst ist nichts Peinliches, sondern etwas höchst Normales. Es gibt in dieser Welt eben Dinge, die uns in Angst versetzen.

Da sagt Jesus: Wenn ihr Angst habt, wenn ihr unter Druck steht, dann habt Mut! Aber das ist keine Durchhalteparole wie bei einer Mutprobe. Sondern Jesus gibt einen Anhaltspunkt für den Mut: Ich habe die Welt überwunden. Ich habe besiegt, was euch Angst macht.

Das hat Jesus getan mit seinem Sieg an Ostern. Als er den Tod besiegte. Es gibt ja den Tipp: Wenn du vor etwas Angst hast, überlege: Wenn das eintritt, was du fürchtest: Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist der Tod. Doch der ist besiegt durch die Auferstehung Jesu am Ostermorgen. Deshalb gibt es eine Hoffnungsperspektive über alles hinaus, was uns das Fürchten lehrt. Beziehungsweise heißt hier: In eine Beziehung zu Jesus treten.

Aber was machen wir jetzt, wenn wir Angst haben? Wenn die Welt uns unter Druck setzt? Wenn wir Stress haben?

Unser drittes Stichwort heißt: Frieden. Denn der ganze Satz Jesu lautet: „Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost – ich habe die Welt überwunden.“ Frieden – dieser Zustand von Harmonie, Geborgenheit, Zufriedenheit – der viel mehr ist als die Abwesenheit von Krieg. Diesen Frieden finden wir zunächst nicht in einer Welt, die stresst, die Angst macht, in der es Streit, Konflikte und sogar Kriege gibt. Sondern in Jesus. In dem, was er redet. Und wenn wir mit ihm reden. Beziehung mit Jesus. Das was bei Euch die Friedenstaube bedeutet: Die Anwesenheit Gottes.

Das vierte Stichwort: Gebet. Dieser Sonntag trägt im Kirchenjahr den lateinischen Namen Rogate – betet. Wen wir in Kontakt kommen mit Jesus. Beten. Dann erleben wir trotz allem, was uns Angst macht, Frieden. Geborgenheit bei ihm. Immer dann, wenn wir beten – ob mit oder ohne Worte, ob mit einem festen Satz oder mit dem, was wir auf dem Herzen haben. So wie Ihr es uns ja vorher erklärt habt. Und wenn wir nur im Stress bewusst aus- und einatmen und sagen: Herr Jesus Christus - erbarme dich meiner.“

Dann ist nicht nur die Welt unser Wohnraum mit allem Schönen und Schweren. Dann wohnen wir gewissermaßen in Jesus. In dem, der stärker ist als alles, was uns Angst macht.

Beziehungsweise – wir leben in vielen Beziehungen. Schönen und solchen, die uns Mühe machen. In solchen, die Frieden stiften, ebenso, wie in denen, die Angst machen und uns unter Druck setzten. Doch das wird getragen von unserer Beziehung zu Jesus. Durch unser Beten. Wie Ihr uns das vorher erklärt habt: Aus jeder Angst kann man ein Gebet machen. Zu ihm, der sagt: „Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost – ich habe die Welt überwunden.“ Amen.