26. März 2017 - Laetare


Predigt zu Johannes 6,51-65

Jesus sagt: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch - für das Leben der Welt.

Da stritten die Juden untereinander und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht esst das Fleisch des Menschensohns und trinkt sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. Wie mich gesandt hat der lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.

Das sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte.

Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? Da Jesus aber bei sich selbst merkte, dass seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Nehmt ihr daran Anstoß? Wie, wenn ihr nun sehen werdet den Menschensohn auffahren dahin, wo er zuvor war? Der Geist ist's, der da lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. Aber es sind etliche unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wusste von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben.

Liebe Gemeinde!

Wir kennen das Phänomen und jedes Mal macht es uns nervös oder ärgerlich: Da will man sein Handy benutzen und der Akku ist leer. Da fährt man mit dem Auto und der Reichweitenanzeiger fürs Benzin geht immer weiter gegen Null – aber keine Tankstelle weit und breit in Sicht. Da wird uns wieder bewusst: Das Perpetuum mobile – ein Gerät, das ohne Aufladen oder ohne Tanken benutzt werden kann – gibt es nicht. Jedes Fahrzeug, jede Maschine, jedes Gerät muss mit einer Kraftquelle verbunden sein oder aufgetankt bzw. aufgeladen.

Bei uns Menschen ist das ja genauso. Wir denken ja oft, wir könnten alle Herausforderungen unseres Lebens alleine meistern aus unserer eigenen Kraft heraus. Und kommen so oft an unsere Grenzen. Wenn plötzlich die Zeit nicht mehr reicht, all das zu bewältigen, was wir uns vorgenommen haben. Wenn wir vor dem Computer am Schreibtisch oder gar am Steuer des Autos müde werden. Wenn unser Geduldsfaden zum Zerreißen gespannt ist. Dann sind wir so wie das Auto, dessen Tankanzeiger nur noch wenige Kilometer Reichweite zeigt. Wie das Handy mit leerem Akku.

Nun ist es mir als Autofahrer noch nie passiert, dass ich tatsächlich ohne Benzin auf der Strecke geblieben bin – immer kam rechtzeitig eine Tankstelle. Und auch das Handy ließ sich immer rasch wieder aufladen. Aber wo laden wir unseren inneren Akku wieder auf? Wo tanken wir selbst auf?

Wir haben gerade ein Wort Jesu gehört, das uns auf diese Kraftquelle des Lebens aufmerksam macht. Da hatte Jesus 5000 Menschen zu essen gegeben. Sie sahen, dass er äußerlich satt machen kann. Deshalb bewundern sie Jesus. Gehen aber am Entscheidenden damit vorbei: Dass Jesus uns auch innerlich satt machen kann. Er das wahre Brot des Lebens ist. Die Kraftquelle für unseren inneren Akku, unsere Lebens-Tankstelle.

Diese Zusage bringt Jesus in ein Bild, das damals seine Zeitgenossen befremdete und uns heute wahrscheinlich noch viel mehr: „Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben.“

Aber Jesus meint hier nicht irgendeine Form des Kannibalismus. Sondern Fleisch und Blut stehen für seine Person. Wie das Wort von Jesus als Brot des Lebens. Jesus als Person ist unser wichtigstes Lebensmittel. Quelle unserer Kraft. Indem wir ihn in uns aufnehmen – natürlich nicht irgendwie vernaschen, sondern mit seiner Kraft in Verbindung bleiben.

Mit dem elementaren Bild des Essens und Trinkens zeigt Jesus: Er ist für uns so wichtig und lebenswichtig wie das tägliche Brot. Wie das Wasser, ohne das wir nicht leben können. Jesus lässt uns teilhaben an seiner Kraft und an der Kraft Gottes. Die Liebe Jesu ermöglicht uns Leben. Sie zeigt uns, wie Gott in unserem Leben für uns da ist.

Aber wie laden wir nun unseren inneren Akku auf an dieser Kraftquelle Jesu? Wie tanken wir auf bei Gottes Liebe? Wie bekommen wir Anteil am Leben Gottes, das stärker ist als der Tod?

Jesus nennt hier zwei Tankstellen oder zwei Ladestationen: Sein Wort und sein Mahl.

Von seinem Wort sagt er: „Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben.“ Mit seinen Worten hat Jesus gezeigt, wie sehr Gott uns liebt. Wie nahe Gott uns mit seiner Kraft gekommen ist.

Deshalb ist es für uns Christen so wichtig, immer wieder uns diese Worte des Christus zu Gehör zu bringen. Darum beschäftigen wir uns mit der Bibel. Deshalb lesen wir die Jesus-Geschichten in der Konfirmandenzeit. Deshalb verschenken wir Bibeln zur Konfirmation und zur Trauung. Darum predigen wir im Gottesdienst über biblische Texte. Darum erzählen wir die Jesus-Geschichten im Kindergottesdienst oder in der Jugendarbeit. Weil wir nicht alleine aus unserer eigenen Kraft leben können, sondern auf diese Worte Jesu angewiesen sind.

Diese Worte Jesu transportieren Geist und Leben. Also Lebenskraft aus Gottes gutem Geist. Wie geschieht das? Mit den Siebtklässlern beschäftige ich mich gerade mit Wundergeschichten. Ich selbst mag diese Geschichten von der Kraft Jesu, die stärker ist als meine Grenzen. Auch wenn ich sicher selbst solche Wunder noch nie so massiv erlebt habe, so zeigen sie mir doch: Da ist einer stärker. Es gibt Rettung und Auswege, wo ich sie nicht vermute. Es gibt keine hoffnungslosen Situationen. Und in diesem Sinne habe ich selbst auch Wunder in meinem Leben erfahren: Wo ich nicht mehr wusste, wie es weitergehen sollte - dass sich da Türen geöffnet haben. Und wenn wir nicht alle bereits solche Wunder erlebt hätten, wären wir schon längst nicht mehr da.

Am stärksten erlebe ich das bei den Berichten von Jesu Sieg über den Tod. Dass es da Hoffnung gibt über die Grenzen unseres Lebens hinaus. Das übersteigt meine Möglichkeiten: Denn meine eigene Kraft reicht maximal bis ans Ende meines Lebens. Damit stiften Jesu Worte Hoffnung und geben dadurch Kraft. Sind Geist und Leben. Sie zeigen uns eine Wirklichkeit, die das überscheitet, was wir hier sehen und wahrnehmen können, eine Welt, die größer ist als unsre vorfindliche.

Deshalb ist die Begegnung mit Jesu Wort – ob im Gottesdienst oder, wenn wir für uns selbst uns mit der Bibel beschäftigen, eine solche Ladestation für unseren inneren Akku und eine Tankstelle für unseren leeren inneren Tank.

Die zweite Ladestation und Tankstelle ist das Mahl Jesu. Das Essen des Fleisches und Trinken des Blutes verweist auf Jesu Einsetzungsworte des Abendmahls: Dies ist mein Leib – dies ist mein Blut. Wie gesagt: nicht kannibalistisch, sondern geistlich: In, mit und unter Brot und Wein ist Christus gegenwärtig mit seinem Leib und Blut. Im Mahl lädt Jesus uns an seinen Tisch. Verbindet uns mit sich.

Mir ist das nach meiner Konfirmation deutlich geworden. In der Woche nach der Konfirmation hatten wir damals an einem Mittwochabend unsere Abendmahlsfeier in der Kirche. Es war draußen bereits dunkel, die Kirche erleuchtet, vorne am Altar wurden Brot und Wein ausgeteilt. Man hörte die Spendeworte: Nehmt und esst – das ist der Leib Jesu Christi. Nehmt und trinkt, das ist das Blut Jesu Christi. Dazu spielte die Orgel. Und ich als knapp Vierzehnjähriger war fasziniert. Es erschien mir, als ob ein Stück vom Himmel auf die Erde gekommen war. Seitdem feire ich gerne das Abendmahl. Da habe ich etwas geahnt von Gottes Welt, die unsere Welt übersteigt.

Doch diese Tankstelle und diese Ladestation bleibt umstritten. Weil wir Menschen oft lieber selber stark sein wollen, aus unserer eigener Kraft leben. Mit den Worten Jesu: Aus dem Fleisch – also der menschlichen Kraft – leben und nicht aus dem Geist – aus Gottes Kraft. Deshalb nennen hier sogar die Jünger Jesu Worte eine harte Rede. Deshalb lesen wir, dass viele, die von der Speisung begeistert waren, sich nun von Jesus abwenden. Aber das wäre so, wie wenn wir unser Handy ohne Aufladen und unser Auto ohne Tanken benutzen wollen. Das geht nicht – unsere Kraft reicht nicht.

Deshalb: Aufladen bei Jesus, innerlich auftanken. In seinem Wort und seinem Mahl. Amen.