28. April 2019 - Quasimodogeniti


Predigt zu 1. Petrus 1,3-9

Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. In seiner großen Barmherzigkeit hat er uns sozusagen neu geboren. Durch die Auferweckung von Jesus Christus aus dem Tod hat er uns eine lebendige Hoffnung geschenkt. Es ist die Hoffnung auf ein unvergängliches, reines und unverlierbares Erbe.Gott hält es im Himmel für euch bereit und bewahrt euch durch seine Macht. So erlangt ihr durch den Glauben die Rettung, die am Ende der Zeit offenbar werden soll. Darüber könnt ihr euch freuen.

Allerdings müsst ihr nach Gottes Willen jetzt erst einmal eine kurze Zeit leiden. Denn ihr werdet mehrfach auf die Probe gestellt. Das dient dazu, dass euer Glaube sich als echt erweist. Er ist wertvoller als vergängliches Gold, das im Feuer auf seine Echtheit geprüft wird. Dafür werdet ihr bei der Offenbarung von Jesus Christus Lob, Herrlichkeit und Ehre erfahren.

Ihr liebt ihn, obwohl ihr ihn nicht gesehen habt. Ihr glaubt an ihn, obwohl ihr ihn jetzt nicht seht. Deshalb könnt ihr jubeln in unaussprechlicher Freude, die schon von der künftigen Herrlichkeit erfüllt ist. Denn ihr empfangt, was das Ziel eures Glaubens ist: eure endgültige Rettung.

Liebe Gemeinde!

„Es ist geschafft …“ – so haben wir unsere Einladung für heute überschrieben. Natürlich gibt es in Kirchengemeinde bedeutsamere Projekte als einen Parkplatz und einen Vorplatz zu pflastern – aber durch die Umstände war es doch ein größeres Unternehmen. Und unsere Zielsetzung war ja durchaus sinnvoll: Wir wollten einen barrierefreien Zugang, einen einladenden Vorplatz und einen neuen Parkplatz.

Und das sind ja die Dinge, die wir im übertragenen Sinne auch als Kirchengemeinde leisten wollen – außerhalb von äußeren Baumaßnahmen. Keine Barrieren errichten, einladend sein und Neues ausprobieren. Das sollte auch der Bauplan sein für den inneren Aufbau einer Kirchengemeinde. Einen solchen Bauplan enthält der Abschnitt aus dem ersten Petrus-Brief, den wir gerade gehört haben. Für einen Bau der Gemeinde

  1. Barrierefrei
  2. Einladend
  3. Neu

Erstens: Barrierefrei: Unser Leben stößt häufig an Barrieren. Da gibt es wie auf unserem alten Parkplatz Unebenheiten als Stolperfallen. Da kommen wir auf unserem Lebensweg aus dem Tritt. Da reicht eine Krise in Ehe oder Familie, eine berufliche oder schulische Durststrecke, eine Krankheit – wir kommen ins Stolpern und landen auf der Nase. Und diese kleineren und größeren Stolperfallen sind Hinweise, dass unser Leben insgesamt alles andere als barrierefrei ist. Es ist begrenzt durch seine Endlichkeit. Wir sind sterblich. Daraus kommen die Grenzen, an die wir immer wieder stoßen – Grenzen unserer Zeit, unserer Kraft, unserer Geduld, unserer Liebe.

Petrus nun weist seine Gemeinde darauf hin: Da gibt es einen, der alle Barrieren eingerissen hat. Christus, der durch seine Auferstehung die Barriere des Todes durchbrochen hat. Dadurch eine lebendige Hoffnung gegeben hat über alle Begrenzungen und Barrieren unseres Lebens hinaus. Er schenkt ein gewissermaßen barrierefreies Leben – nämlich ein Leben, das mit dem Tod nicht endet. Ein unvergängliches, unbeflecktes, unverwelkliches Erbe, das Gott für uns im Himmel bereithält.

Das ist die Perspektive des Glaubens: Wie Jesus an Ostern auferstanden ist, werden wir mit ihm eines Tages auferstehen. Mit dieser Perspektive eines Lebens ohne die endgültige Barriere des Todes gehen wir in unser gegenwärtiges Leben, in dem es natürlich noch Begrenzungen und Stolperfallen gibt. In dem wir öfter straucheln und auf der Nase landen als uns lieb ist.

Doch wir können weitergehen, weil wir dieses Ziel vor Augen haben. Wie es der Apostel schreibt: „Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt noch eine kleine Zeit leidet.“ Wer dieses Ziel vor Augen hat, kann wieder aufstehen. Kann trotz aller Barrieren weitergehen. Kann mit den Begrenzungen des eigenen Lebens umgehen – beharrlich, wo sie sich verschieben lassen, mutig, wo man sie überschreiten kann, geduldig wo, sie unabänderlich sind.

Wer auf ein solches barrierefreies Leben hofft, der kann andere dazu einladen.

Damit sind wir beim zweiten Merkmal des Gemeindebaus: Einladend. Petrus beginnt seinen Abschnitt mit einem Lob auf den Gott, der durch die Auferstehung Jesu an Ostern Hoffnung gestiftet hat. Darauf sollen wir unsere Mitmenschen aufmerksam machen. In einer Welt, der ihre Barrieren oft so deutlich werden.

Klar: das Einladen zum Glauben ist nicht so einfach. Denn dieser Glaube leuchtet nicht sofort ein. Weil er so gegen alle Erfahrungen eines begrenzten Lebens steht. Weil der Gott, an den wir glauben, unsichtbar ist. Weil es keine eindeutigen Beweise gibt.

Natürlich hat Petrus recht, wenn er seiner Gemeinde schreibt: „Ihr habt Christus nicht gesehen und habt ihn doch lieb.“ Aber zugleich verdunkeln wir Christen oft diese Liebe Jesu. Weil wir selber diese Liebe nicht so nach außen leben, wie wir es gerne tun würden. Denn wir sind eben Menschen mit Grenzen.

Da immer wieder auf andere zugehen. Diese Hoffnung auf den unsichtbaren Gott ausstrahlen. Hoffnungsträger sein für die, die im Leben stolpern. Zur Seite stehen, aufrichten, trösten. Dazu sind wir da.

Selbst wenn wir am unsichtbaren Gott zweifeln – was wäre die Alternative zu unserem Vertrauen auf Gott, zu unserer Hoffnung? Resignation. Hoffnungslosigkeit. Doch dadurch würden wir unser Leben keinen Tick besser machen. Also lieber mit Hoffnung durchs Leben gehen. Lieber zur Hoffnung einladen, als miesepetrig und zynisch durch die Gegend gehen.

Dazu müssen wir uns selbstkritisch fragen: Warum werden wir oft so wenig als einladend wahrgenommen? Wo bauen wir Barrieren auf gegenüber Menschen, die uns von außen wahrnehmen? Wir müssen alles vermeiden, was uns als Kirche als abschreckende Bürokratie herüberkommen lässt. Und das Angebot in den Mittelpunkt stellen: Einladen zu einem Leben mit Hoffnung.

Daraus folgt das Dritte: Der innere Bau der Gemeinde muss immer wieder neu sein. Der Apostel vergleicht die Hoffnung, die Gott durch die Auferstehung Jesu gebracht hat, mit einer neuen Geburt. Weil sich durch Ostern das Vorzeichen des menschlichen Lebens verändert hat: Wir sind aus der alten Welt des Todes herausgenommen in eine neue Welt, in der es Hoffnung gibt über den Tod hinaus.

Erneuerung der Gemeinde heißt: Immer wieder neu sich diese Hoffnung schenken lassen. Und mit dieser neuen Hoffnung in unser Leben gehen. Dann können wir neue Wege einschlagen, um den Menschen zu begegnen. Immer wieder eingefahrene Bahnen hinterfragen, ob wir da dieses Ziel erreichen und Neues ausprobieren.

Ja, so gestalten wir nicht nur das Umfeld unserer Kirche barrierefrei, einladend und neu, sondern auch unsere Gemeinde nach innen. Dann kann das Wunder von Ostern mit uns gehen in den Alltag – barrierefrei, einladend, neu. Amen.