28. Juli 2019 - 6. Sonntag nach Trinitatis


Predigttext und Predigt zu 1. Petrus 2,1-10

So legt nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alle üble Nachrede und seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, auf dass ihr durch sie wachset zum Heil, da ihr schon geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist. Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar. Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.

Darum steht in der Schrift: "Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden." Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar. Für die aber, die nicht glauben, ist er "der Stein, den die Bauleute verworfen haben; der ist zum Eckstein geworden" und "ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses". Sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind.

Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk zum Eigentum, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht; die ihr einst nicht sein Volk wart, nun aber Gottes Volk seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid.

Liebe Gemeinde!

Ich habe nach dem Abitur ein halbes Jahr bei einer Baufirma gearbeitet. Eine wichtige Erfahrung nach dreizehn Jahren Schule – und eine faszinierende dazu: auf dem Bau sieht man, was entsteht. Wie so langsam aus der Baugrube die Fundamente herauswachsen, die Decken und Wände betoniert und gemauert werden und man immer mehr das Gebäude erkennt, das gebaut wird. Als Schüler hat man hat gelernt, Noten bekommen – aber ein wirkliches Ergebnis gesehen hat man nicht. Und heute im Beruf ist es ebenso. Dagegen bin ich in letzter Zeit zwei Mal von Aalen nach Stuttgart gefahren und konnte vom Zug aus die Werkshalle sehen, die wir damals gebaut haben. Ebenso wenn ich in Fellbach neben der Schwabenlandhalle das Kongresshotel sehe – jedes Fertigteil in der Frontseite hatte ich schon in der Hand. Deswegen ist das für mich so faszinierend: Wie Beton, Holz, Steine zusammengefügt werden und ein Gebäude ergeben.

Ähnlich ging es wohl dem Apostel Petrus im eben gehörten Bibelabschnitt. Da vergleicht er die christliche Gemeinde mit einem Haus – dem Tempel Gottes. Sie besteht aus vielen Steinen, die zusammengefügt werden. Jeder Stein ist anders, jeder hat seine besondere Bedeutung und seine besondere Funktion. So wie ja auch bei einem Hausbau vom Architekten entschieden wird, welcher Baustoff wo gebraucht wird, so entscheidet Gott für das Haus seiner Gemeinde, wer von uns wo seinen Platz hat – als lebendiger Stein, mit dem Gott dieses Haus baut. Jeder und jede von uns ist wichtig – zugleich sind wir alle anders als die anderen.

Wir vergleichen ja Menschen gerne miteinander: Was kann der eine besser als der andere? Wir gieren nach Anerkennung, nach Likes auf Facebook, nach Reaktionen auf unsere Bilder bei Instagram, nach Antwort auf unsere WhatsApp-Statusmeldungen. Wir möchten für unsere Leistung gelobt werden. Gerade Schülerinnen und Schüler haben das in der letzten Woche wieder erlebt, als es die Zeugnisnoten gab: Wer ist besser, wer ist schlechter? Fühle ich mich gerecht behandelt bei der Notenfindung? Aber auch Erwachsene kennen das. Ständig vergleichen wir andere miteinander und uns mit anderen. Wie leicht kommt man sich da irgendwie minderwertig vor.

Da sagt Petrus: Egal, was Du von Dir denkst – du bist Gottes lebendiger Stein. Mit Deinen Eigenschaften hast Du in seinem geistlichen Haus Deinen Platz – mit dem, was Du gut kannst, und mit dem, wo Du versagst.

Gott braucht uns und fügt uns ein in diesen Bau durch die Taufe. Deshalb ist es schön, wenn wir ein kleines Kind wie heute taufen. Ein Säugling kann noch keine Leistung vorweisen – alles ist geschenkt, was er ist und hat. So wie ja im Grunde auch bei uns Erwachsenen alles Geschenk ist, was wir sind und haben. Dadurch zeigt Gott: Ich kann dich brauchen als lebendigen Baustein für das Haus meiner Gemeinde. So wie ich dich gedacht habe.

Jedes Haus braucht ein stabiles Fundament, dass die Steine eine feste Basis und einen festen Halt haben. Zur Zeit des Petrus: einen stabilen Eckstein. Dieser Eckstein beim Haus Gottes ist Jesus Christus. Er selbst wurde von den Menschen abgelehnt, auf die Schutthalde geworfen – aber für Gott war er der kostbare Eckstein seines Gebäudes.

Damit spielt Petrus auf das Geschehen von Ostern an: Die Menschen haben Christus getötet, Gott machte ihn lebendig. Damit gibt der Eckstein des geistlichen Hauses Gottes Halt, sogar über den Tod hinaus. Dieses Haus kann nicht zerstört werden.

Die Steine im Haus werden mit Mörtel zusammengehalten. Im Haus Gottes gibt es ein anderes Bindemittel: die Freundlichkeit Gottes. Gott schenkt uns Leben, Gott vergibt Schuld, Gott versorgt uns. Das Haus der Gemeinde hält nicht zusammen durch unsere Anstrengung, sondern durch Gottes Freundlichkeit. Davon leben wir.

Auch das macht die Taufe deutlich: Gott umgibt uns mit seiner Freundlichkeit von Anfang an. Gott baut eine Beziehung zu uns auf. So wie Sie, liebe Tauffamilie, es bei der Geburt Ihres Kindes erfahren haben. Diese Beziehung beschreibt Petrus als Priestertum. Der Priester lebt in enger Beziehung zu Gott – so sollen es wir Getaufte auch tun.

Das prägt das Leben in diesem Haus Gottes, das weist alles ab, was das Haus zerstören will. Wie so eine Schutzschicht. Petrus nennt als zerstörerische Kräfte: Bosheit, Heuchelei, Betrug, Neid, üble Nachrede. Also alles, was durch das Vergleichen zwischen Menschen in die Welt kommt. Wer nur sieht, was der andere hat und was einem selber fehlt, wird neidisch. Daraus folgt die Bosheit, dass ich über andere Schlechtes rede. Um selber besser dazustehen, mache ich den anderen schlechter. Und mich selbst besser: Betrug und Heuchelei.

Wenn ich hingegen von Gottes Freundlichkeit geprägt bin. Das Selbstbewusstsein habe, dass Gott mich brauchen kann in seinem Bau – dann habe ich es nicht mehr nötig, mich besser zu machen als ich bin und den anderen schlechter, als er ist. Ich kann als lebendiger Stein an meinem Platz sein. Dadurch bleibt Zerstörerisches draußen.

Ein Bau ist etwas Faszinierendes – weil jeder Stein seine Funktion für das große Ganze. So sollen wir es auch tun – als lebendige Steine im geistlichen Haus Gottes mit Christus als Eckstein. Amen.