3. April 2016 - Quasimodogeniti


Predigt zu 1. Petrus 1,3-9

Liebe Gemeinde!

Warum sind Lego-Steine für uns so faszinierend? Vermutlich, weil man da etwas zusammenbauen kann, was sonst nicht so einfach zum Aufbauen geht. Wie dieses Haus. Vom Fundament bis zum Dach mit ein paar Handgriffen. Ruckzuck sind die Wände hochgezogen.

Das ist nicht nur bei unseren echten Häusern viel schwieriger und langwieriger, sondern genauso im übertragenen Sinne: Beim Aufbau des Hauses unseres Lebens. Denn unser Leben gleicht ja einem solchen Hausbau. Wir brauchen eine tragfähige Grundlage – ein Fundament. Wir brauchen ein schützendes Dach, bergende Mauern. Und wir brauchen Perspektiven, für die die Fenster und der Balkon stehen – Blick über unseren Tellerrand hinaus, Hoffnungen, Wünsche, Pläne.

Wenn ein Mensch am Anfang des Lebens steht, wo vieles erst im Aufbau ist. Wo sich das Lebenshaus erst in Umrissen abzeichnet. Ebenso, wenn das Leben weitergeht – wenn man vielleicht bei einem Jugendlichen vor die Tür des Lebenshauses das Schild hängen muss: „Wegen Umbau geschlossen.“ Oder wenn Gebäudeteile baufällig werden, neu stabilisiert oder aufgebaut werden müssen. Manches vielleicht im Alter ganz aufgegeben.

Ja – unser Lebenshaus bleibt immer eine Baustelle. Weil das Leben ständig sich verändert, an Dach und Grundmauern rüttelt. Wo aber finden wir das passende Baumaterial für dieses Lebenshaus?

Darüber spricht der Apostel Petrus im eben gehörten Bibelwort: Das Lebenshaus besteht

  1. aus dem Fundament der neuen Schöpfung,
  2. aus dem Dach der Macht Gottes,
  3. aus den Wänden des Glaubens
  4. und aus den Fenstern der Hoffnung.

Das Fundament der neuen Schöpfung. Mit dem Begriff „wie neu geboren“ beschreiben wir normalerweise eine wichtige Wende zum Positiven in unserem Leben. Wenn jemand eine Krankheit überstanden hat, gut erholt aus dem Urlaub zurückgekommen ist oder auch nur nach einer schweren Arbeit frisch geduscht ist.

Petrus beschreibt mit diesen Worten „wie neu geboren“ das Fundament des Lebenshauses. Es besteht in der Wirklichkeit eines neuen Lebens durch die Auferstehung Jesu zu Ostern. Eine entscheidende Wende zum Positiven hat sich dort ereignet: Da hat sich ein Leben als stärker erwiesen als der Tod. Gott ist stärker als der Tod.

Diese neue Geburt, diese neue Schöpfung ist ein tragfähiges Fundament unseres Lebenshauses. Weil selbst der Tod es nicht zerstören kann. Egal, was alles an den Mauern drückt und reißt – das Fundament bleibt.

Schon immer haben mich Ruinen fasziniert. Weil man da erkennen kann, wie der Baumeister einst die Burg oder die Kirche geplant hat. Und wie stabil das Fundament und das Mauerwerk sein müssen, dass sie den Zerstörungen so getrotzt haben, dass man sie heute noch erkennen kann.

So ist das auch mit dem Fundament, das Gott gelegt hat durch die Auferstehung Jesu. Egal, was am Dach und den Mauern reißt. Egal, was einstürzt. Egal, was wir alles im Laufe unseres Lebens verlieren - dieses Fundament hat Bestand. Weil Ostern kein einmaliges Ereignis war, das einfach mit den beiden Feiertagen oder vielleicht noch diesem Sonntag vorüber ist. Sondern der Sieg Jesu über den Tod all dem trotzt, was unser Leben gefährdet.

Ebenso ist es mit dem Dach: die Macht Gottes, die die Menschen bewahrt. Sie schützt uns wie ein bergendes Dach. Auch diese Macht Gottes hat sich gezeigt am ersten Osterfest. Als sie sich stärker erwiesen hat als die Gewalt des Todes. Sie gibt Geborgenheit.

Wir leben in einer Welt, in der uns diese Gewalt des Todes oft genug eindrucksvoll erscheint. Nicht nur bei den Bildern von Terroropfern. Sondern ebenso, wenn wir Leid und Krankheit erleben im eigenen Leben, in unseren Familien oder Freundeskreisen. Im Bild: Der Sturm rüttelt ganz kräftig am Dach des Lebenshauses. Aber Gottes Macht, die an Ostern deutlich wurde, bewahrt zwar nicht vor allen Stürmen, doch in allen Stürmen.

Fundament und Dach sind verbunden durch die Wände. Das ist bei unserem Lebenshaus der Glaube. Wenn wir glauben, bauen wir auf dem Fundament von Gottes neuer Schöpfung auf. Wenn wir glauben, vertrauen wir dem schützenden Dach von Gottes Macht. Der Glaube gibt unserem Lebenshaus Stabilität, dass wir auf dem Fundament und unter dem Dach geborgen sind.

Ein Haus, das nur aus Fundament und Dach bestehen würde, hätte keinen Halt. So ist es auch mit Fundament und Dach des Lebenshauses, die Gott im Ostersieg Jesu gebaut hat. Sie werden in unserem Leben nur dann wirksam, wenn wir ihnen vertrauen, wenn wir glauben. Wenn wir mit der Osterbotschaft morgen wieder in unseren Alltag gehen. Wenn Schule, Berufstätigkeit, Vereinsarbeit, Sitzungen und Termindruck beginnen – dem vertrauen: Gottes Macht ist stärker.

Schließlich hat das Lebenshaus Fenster, eine Tür und den Balkon. Für den Blick nach draußen. Diese Perspektive ist die Hoffnung. Über alles hinweg, was ein Leben belastet, blicken wir auf das Ziel, das Gott unserem Leben gesetzt hat. Petrus nennt es unser Erbe im Himmel. Die Rettung. Wenn wir den bisher unsichtbaren Christus sehen. Auf das Leben, das auch nach dem Tod weitergeht.

Wenn Ostern nur bedeuten würde: Da ist vor fast 2000 Jahren einer aus dem Grab gekommen, dann wäre das zu wenig. Wichtig ist: Was Gott an Jesus damals nach dessen Tod getan hat, das tut er auch an uns einmal nach unserem Tod. Das ist die Hoffnungsperspektive.

In diesem Haus leben wir in einer Wohngemeinschaft mit Gott. Petrus beschreibt dies so: Gott wendet sich uns zu. Unser Glaube hat selbst unter Druck Bestand. Wir lieben unseren Herrn, obwohl wir ihn nicht sehen.

Dieses Lebenshaus ist dann wie ein Schutzbereich, in den wir uns immer dann zurückziehen können, wenn uns das Leben belastet. Es ist beständig – nicht nur beständiger als dieses Lego-Haus, sondern beständiger als alles, das wir Menschen bauen können. Und es ist immer da. Wir haben dieses Lebenshaus in unseren Herzen bei uns.

Wenn also die Angst einmal nach uns greift, wenn uns Ratlosigkeit beschleicht, wenn das Leben uns zu schaffen macht: In dieses Haus gehen. Vielleicht indem wir uns den alten Ostergruß zusagen beim Einatmen und Ausatmen: Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!

Wenn wir Menschen nur aus unseren Möglichkeiten und Fähigkeiten leben, dann verlieren wir schnell die Hoffnung. Im Bild: Wenn wir unser Lebenshaus nur aus unserem eigenen Baumaterial aufbauen müssten, dann hätte es kaum Bestand. Aber Gott legt durch die Auferstehung Jesu das Fundament. Baut das schützende Dach. Wir leben hinter den bergenden Wänden des Glaubens und blicken durch die Fenster der Hoffnung. Amen.