3. Juli 2016 - 6. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest


Predigt zu Römer 6,3-8

Liebe Gemeinde!

Warum wir mit Wasser taufen, haben uns die Konfirmanden gerade gezeigt. Wasser hat Tragkraft, Wasser hat Lebenskraft, Wasser hat Reinigungskraft – aber Wasser hat genauso Kraft zum Zerstören. Wer die Bilder von den Hochwasserkatastrophen der letzten Monate gesehen hat, weiß das.

Damit wird die Taufe zum Wasserzeichen der Kraft Gottes. So wie ein Geldschein ein Wasserzeichen hat, das garantiert: Dieses Stück Papier ist mehr wert als nur sein Material. So garantiert das Wasser der Taufe: Dahinter steht Gott mit seiner Kraft.

Wie aber geschieht das? Davon spricht der Apostel Paulus im sechsten Kapitel des Römerbriefs:

Ihr wisst doch: Bei unserer Taufe wurden wir förmlich in Christus Jesus hineingetaucht. So wurden wir bei der Taufe in seinen Tod mit hineingenommen. Und weil wir bei der Taufe mit ihm gestorben sind, wurden wir auch mit ihm begraben.

Aber Christus ist durch die Herrlichkeit des Vaters vom Tod auferweckt worden. Und genauso sollen auch wir jetzt ein neues Leben führen. Denn wenn wir ihm im Tod gleich geworden sind,

werden wir es auch in der Auferstehung sein.

Wir wissen doch: Der alte Mensch, der wir früher waren, ist mit Christus am Kreuz gestorben. Dadurch wurde der Leib vernichtet,

der im Dienst der Sünde stand. Jetzt sind wir ihr nicht mehr unterworfen. Wer gestorben ist, auf den hat die Sünde keinen Anspruch mehr. Wenn wir nun mit Christus gestorben sind, dann werden wir auch mit ihm leben. Das ist unser Glaube.

Im Geschehen der Taufe wird der Weg Jesu Christi abgebildet: Wie das Wasser zerstörende Kraft hat, wenn man untergeht, so ist Christus am Karfreitag untergegangen. In den Tod hineingetaucht. Aber Gott hat ihn nicht dort gelassen. An Ostern hat er ihn herausgeholt aus dem Tod. Da hat sich seine Lebenskraft und seine Tragkraft gezeigt. Gott ist stärker als der Tod – Lebenskraft. Und er trägt uns durch den Tod hindurch zu einem neuen Leben – Tragkraft.

Diese Kraft gibt Gott denen, die an ihn glauben. Zeichen ist das Untertauchen im Taufwasser – und die Erwachsenen, die in der Gemeinde des Paulus getauft wurden, wurden ganz untergetaucht.

Natürlich machen auch Menschen, die an Gott glauben, die getauft sind, manchmal Schlimmes durch. Mir fällt da das Gespräch mit einer Frau ein. Ich hatte vor sechs Jahren ihren Sohn konfirmiert. Sie erzählte mir: Mein Mann ist vor einiger Zeit allzu früh verstorben. Und unser Sohn sagt jetzt oft: Ich glaube an Gott und bete – aber mein Vater ist trotzdem gestorben. Meine Schulkameraden glauben nicht an Gott und beten nicht – aber jeder von denen hat seinen Vater noch. Ja – Glaube, Gebet und Taufe sind kein Schutz davor, dass uns nichts Schlimmes passiert. Wir gehen manchmal unter im Wasser des Üblen.

Aber in diesem Taufgeschehen merken wir den Unterschied: Gott zeigt uns: In Christus habe ich das schon durchgemacht. Wenn du untergehst, ist Jesus schon da. Begleitet dich. Mit seiner Lebenskraft, mit seiner Tragkraft. Holt dich heraus – oft aus Schwierigkeiten und am Ende deines Lebens aus dem Tod. Heraus zur Auferstehung zum neuen Leben bei Gott.

Das ist ein bisschen so wie bei einer schwierigen Bergtour. Wenn wir einen erfahrenen Bergführer an unserer Seite haben, von dem wir wissen: Er hat diese Tour schon oft gemacht – dann gehen wir auf diesem Weg mit größerer Zuversicht, als wenn wir sie alleine bewältigen müssten.

So ist das mit dem Vertrauen auf Christus: Wir haben einen Begleiter. Mit seiner Tragkraft. Mit seiner Lebenskraft. Der den schwierigen Weg in Leid und Tod bereits bewältigt hat. Der uns auffängt und zum neuen Leben führt. Zu einem Leben, das mit dem Tod nicht aufhört. Paulus schreibt: „Wenn wir nun mit Christus gestorben sind, dann werden wir auch mit ihm leben. Das ist unser Glaube.“

Diese Kraft wird, wie gesagt, endgültig sichtbar nach unserem Tod, wenn Gott uns in ein neues Leben führt. Aber diese Kraft Gottes soll sich bereits heute in unserem Leben auswirken. Paulus nennt das: der alte Mensch ist im Taufwasser untergegangen, der neue kommt heraus. Das wird symbolisiert durch die reinigende Kraft des Wassers. Was unser menschliches Leben prägt, wird abgewaschen.

Was wird da abgewaschen? Ein Leben, das ausschließlich aus der eigenen Kraft heraus leben will. Das vor allem um sich und seinen Vorteil kreist. Das nennt der Apostel: Sünde – also abgesondert, getrennt von Gott.

Denn der Wunsch, sich selbst durchsetzen und sich selbst verwirklichen zu wollen, führt dazu, dass wir uns überfordern und die Interessen der anderen nicht mehr wahrnehmen. Darin liegt eine Quelle von Unfrieden und Streit. Auch von Selbstüberforderung.

Wer aber auf Gottes Tragkraft und Gottes Lebenskraft vertraut, auf den Christus, der uns auffängt, der kann gelassener bleiben. Der kann zurückstecken. Der braucht nicht nur um sich kreisen, sondern kann nach dem anderen schauen.

Liebe Gemeinde, vor einer starken Woche haben wir erlebt, was Menschen tun, die Angst haben, zu kurz zu kommen. Da haben die Briten Europa verantwortlich gemacht, für alles, was ihr Leben verändert und damit ihre Ängste weckt. Deshalb haben sie mehrheitlich für den Brexit gestimmt. In der Hoffnung, dass dann alles so bleiben könnte wie bisher. Doch schon am Tag nach der Abstimmung merkten sie, dass sie damit sich und den anderen Europäern mehr geschadet haben. Aus Angst machen wir gerade das, was alles noch schlimmer macht.

Deshalb ist Gelassenheit und Zuversicht so wichtig. Das wird uns geschenkt, wenn wir entdecken: Wir sind nicht allein. Wir sind getragen von Gottes Kraft. Wir haben ein neues Leben aus seiner Kraft. Wir sind getauft. Amen.