30. Mai 2019 - Christi Himmelfahrt


Unter den Wolken ….

Angeblich war vor vielen Jahrzehnten ein Staatschef aus der damaligen Sowjetunion auf Staatsbesuch in Deutschland. Als er durch die fast menschenleeren Straßen fuhr, fragte er: Warum sind heute so wenig Menschen auf der Straße? Der deutsche Gastgeber meinte: Heute ist Feiertag – Himmelfahrt.“ Da übersetzte der Dolmetscher: Heute ist Tag der Luftwaffe!

Ja – bedeutet Himmelfahrt: Man fliegt nach oben? Über die Wolken? Manchmal hätten wir das gerne so – einfach abheben können. Ales zurücklassen. Frei sein. Wie in Reinhard Mays altem Lied: Über den Wolken, da muss die Freiheit wohl grenzenlos sein!

Doch so einfach ist das nicht mit dem Abheben und frei sein. Deshalb haben die Toten Hosen vor zwei Jahren einen anderen Hit gelandet: Unter den Wolken.

Schöne Grüße von hier unten zu den Himmelhunden rauf

Wir halten hier die Stellung, sind längst nicht abgetaucht

Die Welt steht grad auf ihrem Kopf, der Wind hat sich gedreht

Ein grauer Schatten liegt auf unserm Weg

Unter den Wolken wird’s mit der Freiheit langsam schwer

Wenn wir hier und heute alle wie betäubt sind

Unter den Wolken gibt’s keine Starterlaubnis mehr

Für all die Träume - all unsere Träume

Es schüttet wie aus Eimern, klitschnass von Kopf bis Fuß

Wir laufen durch die Pfützen, Benzin klebt an den Schuhen.

Das ist ja unsere Erfahrung viel häufiger: Der Himmel voller Wolken. Graue Schatten legen sich über den Weg. Dinge, die uns traurig machen, niedergeschlagen, ängstlich. Freiheit, die sich einschränkt – nicht nur im politischen Sinne, sondern auch, wenn Alter oder Krankheit unsere Bewegungsspielräume einengen. Die Träume können nicht mehr starten und über die Wolken abheben. Klitschnass von Kopf bis Fuß läuft man durch den Regen. Wie ein begossener Pudel.

Kein Wunder, dass Himmelfahrt wie eine Illusion wirkt. Dort unter den Wolken. Das Lied der Toten Hosen geht weiter:

Es schüttet wie aus Eimern, klitschnass von Kopf bis Fuß

Wir laufen durch die Pfützen, Benzin klebt an den Schuhen

Und ein, zwei Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg

Aus einem kleinen Hoffnungsschimmer kann das größte Licht entstehen.

Lichtstrahlen, die durch die Wolken durchbrechen. Hoffnung geben. Gibt es so etwas?

Gott wohnt unter den Wolken

Unter den Wolken kommt Hoffnung auf? Endlich war es soweit! Das große Bauwerk war fertig – in sieben Jahren hat er es bauen lassen. Salomo, der König von Israel. Der Tempel in Jerusalem war vollendet. Der König betritt die Halle, stellt sich vor den Altar und betet:

„Kein Gott ist wie du – im Himmel nicht und auch nicht auf der Erde! Du stehst treu zu uns, die dir vertrauen. Du hast es uns versprochen, du hast es verwirklicht. Dein Versprechen ist wahr geworden – heute. Lass jetzt auch wahr werden, was du versprochen hast: Du wohnst bei uns. Aber wohnt Gott wirklich hier auf der Erde? Schließlich können alle Himmel ihn nicht fassen. Und jetzt willst du in diesem Haus wohnen, das ich gebaut habe. Dann höre mein Gebet!“

Der Gott, den der Himmel nicht fassen kann, der kommt auf unsere Erde. In unsere Häuser – selbst, wenn sie keine Tempel und Kirchen sind. Er kommt in unsere Herzen. Wir können überall zu ihm beten.

Also: Unter den Wolken. In unserem Leben, das manchmal grau ist. Traurig. Begrenzt. Enttäuschend. Da ist Gott. Er steht uns zur Seite.

Das durfte Salomo damals erleben. Das erleben wir heute. Wenn wir beten. Wenn wir auf Gottes Nähe vertrauen. Mit ihm weitergehen.

Himmelfahrt bedeutet eben nicht: Tag der Luftwaffe. Kein Tag zum Abheben über die Wolken, wo angeblich die Freiheit grenzenlos sei. Sondern Himmelfahrt heißt: Gott hat in Christus die Verbindung hergestellt zwischen Himmel und Erde. Dass der Himmel auf die Erde kommt. Gottes Kraft in unsere Welt unter den Wolken.

Unter den Wolken träumen …

Das Lied der Toten Hosen endet:

Es schüttet wie aus Eimern, klitschnass von Kopf bis Fuß

Wir laufen durch die Pfützen, Benzin klebt an den Schuhen

Und ein, zwei Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg

Aus einem kleinen Hoffnungsschimmer kann das größte Licht entstehen.

Unter den Wolken geben wir die Freiheit noch nicht her

Weil sie uns heute alles bedeutet

Unter den Wolken machen wir uns selbst ein Lichtermeer

Aus all den Träumen - aus unseren Träumen

Und alle leuchten - und alle leuchten

Schau, wie sie leuchten - wie sie leuchten

Wer auf die Nähe Gottes unter den Wolken vertraut, der gewinnt hier neue Hoffnung. Er braucht sich nicht entmutigen zu lassen. Kann träumen. Damit wird das Grau hell, fängt an zu leuchten. Nicht, weil wir einer Illusion aufsitzen. Sondern weil Gott hier bei uns wohnt. Und den Himmel geöffnet hat. Amen.