31. Januar 2016 - Kreativgottesdienst zur Jahreslosung


Predigt zur Jahreslosung: Gott spricht: "Ich will euch trösten, wier einen seine Mutter tröstet."

Trost – jeder braucht es. Aber niemand will es zugeben. Wir leben in einer Gesellschaft, in der jeder nach außen die Fassade des Starken und Unerschütterlichen aufrechterhalten will. Und je jünger und je männlicher desto mehr. „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ war ein Standardsatz meiner Mutter. „Ein Junge weint nicht!“ hat mancher von uns in der Kindheit gehört. Wir haben ein Wort, das diese Lebenshaltung zum Ausdruck bringt: Cool bleiben. Alles an sich abprallen zu lassen. Keine Erschütterung sich anmerken zu lassen.

Aber geht das? Ist das Leben wirklich so, dass wir immer stärker bleiben als das, was auf uns zukommt? Wären wir dann noch Menschen, wenn uns nichts aus den Latschen hauen könnte? Wirklich cool ist doch nur ein Eisklotz – wollen wir das tatsächlich sein? Wie eingefroren in unserer eigenen Coolness?

Wir müssen zugeben: Wir sind oft zu schwach, um alles im Griff haben zu können. Und das ist auch gut so, weil wir dadurch andere Menschen brauchen, die uns unterstützen, trösten, helfen. Weil wir dann wissen, dass niemand als Einzelkämpfer überlebensfähig wäre. Weil unsere weiche, verletzliche Seite uns empfindsam macht für andere Menschen und das, wie es ihnen geht. Der Eisklotz kann nur kaltmachen und kaltstellen. Und ein Leben in der Kälte ist nicht erstrebenswert.

Erst wenn wir zu unserer Schwäche und Verletzlichkeit stehen, werden wir Wärme und Liebe ausstrahlen können. Wenn wir eingestehen, dass wir manchmal Trost brauchen, werden wir selber Trost spenden können. Nur dann werden wir bei Trost sein – also Menschen, die überlegt und geistesgegenwärtig handeln.

Als das Volk Israel am Boden lag, nach der militärischen Niederlage gegen die Babylonier sagte Gott ihnen zu: Ich will euch trösten, wie euch eine Mutter tröstet. Wenn ihr denkt: Wir und die anderen sind nicht mehr bei Trost. Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll. Wir wissen nicht, wer oder was uns noch trösten kann – dann kommt Gott. Als Tröster.

Wie tröstet Gott? Zunächst durch all die Dinge, die Ihr uns vorher gezeigt habt. Durch Freunde. Durch scheinbare Zufälle, die eine Lebenssituation wenden können. Durch Dinge, die uns Halt geben.

Aber es geht noch weiter: Trösten heißt im hebräischen Original: Aufatmen lassen. Wenn Gott uns den langen Atem schenkt, der uns in Schwierigkeiten durchhalten lässt. Weitergehen. Bis sich etwas ändert. Wenn wir im Rückblick auf schwere Zeiten aufatmen können und sagen: Gott hat mich getröstet und begleitet.

Ganz bei Trost sind wir, wenn wir vertrauen: Gott steht an unserer Seite. In den kleinen und großen Zeichen seiner Nähe. Dann brauchen wir nicht als cooler Eisklotz unser Leben einfrieren lassen. Sondern können verletzlich und empfindsam Wärme ausstrahlen. Getröstet werden und trösten. Von Gott getröstet andere trösten – wie eine Mutter. Amen.