4. Juni 2016 - Jubiläum Privates Altenpflegeheim Niederstotzingen


Ansprache zu Matthäus 11,28

Eine etwas merkwürdige Karikatur finden Sie auf dem Liedblatt. Der Liegestuhl, der auf dem Wasser schwebt. Die Personen rechts zeigen uns ja, auf welche biblische Geschichte der Zeichner anspielt: Als Jesus über das Wasser ging – und sein Jünger Petrus es ihm nachtun wollte, aber durch seine Angst unterging. Jesus musste ihn retten.

Diese Begebenheit zeigt die Überlegenheit Jesu über alles, was uns das Wasser bis zum Hals stehen lässt, was uns Land unter beschert oder zumindest nasse Füße verschafft. Die Bedrohung durch Wasser, Flut und Schlamm wurde uns in den letzten Tagen so drastisch vor Augen gestellt durch die Bilder aus den Hochwassergebieten. Darüber hinaus: Unsere Sprache zeigt ja, wie sehr das Wasser Symbol ist für das, was unser Leben einschränkt oder gar bedroht. Und da gibt es in jedem Leben genug.

Doch in dieser Karikatur gehen nicht nur Jesus und sein Jünger über das Wasser, sondern da steht dieser Liegestuhl, der nicht untergeht. Mehr als nur ein Streich, wie in der Sprechblase vermutet wird. Vielmehr eine Sehnsucht.

Die Sehnsucht und die Frage: Gibt es in meinem Leben einen solchen Liegestuhl, dem alle Stürme, alle Wellen des Lebens nichts anhaben können? Auf dem ich mich niederlassen kann und geborgen bin? Oder doch nur en Streich? Eine Illusion? Eine fixe Idee?

Ich weiß nicht, was vor fünfundzwanzig Jahren den Anlass bot, dieses Haus zu gründen. In jedem Fall sind seitdem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege, in der Aktivierung, in der Hauswirtschaft und in der Verwaltung bemüht, einen solchen Platz zu schaffen. Wo Menschen sich niederlassen können. Geborgen sind. Gut versorgt. Wenn die Wellen und Stürme von Alter, Krankheit und Pflegebedürftigkeit sie angreifen.

Doch bei allem Bemühen, bei aller Professionalität und Sorgfalt, bei aller Liebe und Fürsorge, die wir Menschen hier und anderswo aufwenden: Unsere Kräfte bleiben begrenzt. Wir können letztlich nicht so einen Liegestuhl aufstellen, der über den Wasserfluten schwebt, die unser Leben bedrohen. Wir können zwar einen Menschen begleiten, ihm diesen Weg so leicht wie möglich machen – aber letztlich sind die Wogen der Vergänglichkeit stärker.

Deshalb ist gut, dass Jesus gewissermaßen diesen Liegestuhl aufbaut. Der durch die Fluten von Krankheit, Hinfälligkeit und Tod nicht weggespült werden kann. Der nicht untergeht. Weil Jesu Kraft ihn trägt.

Die Geschichte von Jesu Gang über das Wasser ist ja nicht nur eine merkwürdig anmutende Wundergeschichte. Sondern sie ist Hinweis auf die Kraft des Auferstandenen, die stärker ist als alle bedrohlichen Wasser – weil er stärker ist als der Tod.

Dieser Herr stellt uns gewissermaßen diesen Liegestuhl bereit, wenn er uns einlädt wie wir es vorhin gehört haben: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.

Wenn wir ihm vertrauen. Mit ihm beten – und wenn es trotz großer Schwäche noch die alten vertrauten Gebete der Kindheit sind wie der Psalm vorhin. Wie die bekannten Lieder. Oder das Schweigen vor ihm. Wenn wir Liebe erfahren – in der Familie oder eben auch in der Pflege hier im Haus. Dadurch schenkt uns Christus diese Ruhe. Diesen Liegestuhl über dem Wasser.

Ja, wir Menschen müssen uns mit vielem plagen. Viele Lasten werden uns aufgebürdet. Manchmal geht es hoch her und das Wasser steht uns bis zum Hals. Aber Christus trägt uns wie dieser Liegestuhl über dem Wasser. Und lädt uns ein: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Amen.