5. Mai 2016 - Christi Himmelfahrt


Predigt zu Apostelgeschichte 1,3-11

Wolken sind schon etwas Faszinierendes. Nicht nur, wenn sie so eindrucksvoll sind wie hier auf dem Foto. Einerseits wirken sie stabil. Manchmal weiß man im Gebirge nicht, ob man Wolken vor sich hat oder Berge. Sie verhüllen unsere Sicht – eine Landschaft ohne Wolken sieht ganz anders aus als bewölkt. Andererseits war ich als Kind auf einer Bergwanderung überrascht, dass man durch die Wolken durchgehen kann und sie doch nichts Anderes sind wie Nebel. Vielgestaltig und doch nicht zu fassen.

Deshalb ist die Wolke ja auch Symbol für Wohlfühlen. Mancher träumt sich in ein Wolkenkuckucksheim oder fühlt sich eben wie auf Wolke 7. Hoch über allen Schattenseiten des Alltags. Wenn es einem gut geht. Wenn man Glück hat. Wie auf Wolke 7.

Wolke 7: Das ist manchmal auch die Projektionsfläche von Wünschen: So würde ich gerne leben.

Die Zahl sieben steht immer für die größere Dimension. Ein dreidimensionaler Raum hat sechs Seiten. Sieben überschreitet das. Deshalb steht die Zahl sieben auch immer für die Dimension Gottes.

Nur Philipp Dittberner zog es in einem Song vor einigen Jahren vor, statt auf Wolke 7 auf Wolke vier zu leben:

Lass uns die Wolke vier bitte nie mehr verlassen

Weil wir auf Wolke sieben, viel zu viel verpassen

Ich war da schon ein Mal, bin zu tief gefallen.

Die Wolke vier ist für ihn ein Ort, der näher an der Erde ist. Wo man nicht so tief stürzt, wenn die Realität uns einholt. Aber wo man zugleich nicht allein ist: Lieber Wolke vier mit Dir als unten wieder ganz allein.

Dieses verbindende Element wird deutlich, wenn wir im Computerbereich von Wolken, von Clouds sprechen. Wo wir alle unsere Daten ablegen können und von überall darauf Zugriff haben.

Wolke: Eindrucksvoll da und doch nicht zu fassen. Überall verfügbar und doch nicht einzuholen. Über aller Realität und doch immer wieder auf den Boden der Tatsachen geholt.

Kein Wunder, dass die Bibel oft von der Wolke spricht, wenn es um Gottes Nähe in dieser Welt geht. Besonders in der Geschichte vom Auszug der Israeliten aus Ägypten: Gott ist bei ihnen in Gestalt einer Wolkensäule. Nahe, helfend, verbindend und doch nicht zu fassen für uns Menschen.

Wolke 7 – oder Wolke 4? In jedem Fall: Gott ist in Gestalt der Wolke sogar dort da, wo wir Menschen tief zu fallen drohen. Mit ihm lebt man nicht nur auf Wolke 7, Wolke 4 oder im Wolkenkuckucksheim. Sondern mitten in dieser Welt. Das zeigt sich auch in der Geschichte von Christi Himmelfahrt.

Da war diese Wolke! Plötzlich stand sie zwischen ihnen. Nur noch diese Wolke – mehr sehen sie nicht! Was jetzt?

Da war es vierzig Tage lang gewesen wie immer. Die elf Jünger waren mit Jesus unterwegs. So wie das ganze Jahr vorher. Als er ihnen von Gott erzählte. Kranke heilte. Hungernden zu essen gab. Für sie da war. Bis u dem Tag, an dem einer von ihnen die Soldaten zu Jesus führte. Festnahme, Verurteilung, Kreuzigung. Schon einmal dachten sie: Alles aus. Dann dieser merkwürdige Morgen: Das Grab Jesu leer. Die Engel. Die verwirrten Frauen. Schließlich: Der lebendige Jesus wieder bei ihnen.

Und nun ist er wieder weg. Vierzig Tage nach Ostern. Eine Wolke nimmt ihn auf. Was jetzt?

Gebannt starren sie auf die Wolke. Sie sehen die beiden Männer gar nicht, die bei ihnen stehen. So sehr schauen sie in den Himmel. „Ihr Männer aus Galiläa!“ Die Jünger drehen sich um. Zwei Männer in weißen Gewändern reden mit ihnen. Ihr Männer von Galiläa! Was steht ihr hier und schaut zum Himmel? Jesus ist aufgenommen worden von Gott. So wird er eines Tages wieder zu euch kommen – sichtbar.“

Da stehen sie nun allein. Nicht mehr auf Wolke 7. Sondern auf dem harten Boden der Tatsachen. Was jetzt?

Erinnert euch! Was hat Jesus uns gesagt? „Ihr werdet Kraft bekommen!“ Die Kraft des Heiligen Geistes. Kraft von Gott. Und werdet meine Zeugen sein. Hier in Jerusalem. In ganz Israel. In aller Welt. Wartet darauf. Ich lasse euch nicht allein.

Ja: Wenn Jesus so von einer Wolke aufgenommen ist, dann ist er immer bei uns. An jedem Ort. Zu jeder Zeit. Weil die Wolke für Gott steht. So wie Gott mit den Israeliten in Gestalt der Wolke durch die Wüste ging. So ist Jesus unsichtbar mit seiner Kraft bei uns. Nahe, helfend, verbindend.

So haben es die Jünger erfahren seitdem. Sonst würde heute niemand mehr von Jesus sprechen. So bleiben wir verbunden: Mit der Wolke der Zeugen. In der Cloud der Gemeinschaft mit dem lebendigen Christus. Dan leben wir vielleicht nicht immer auf Wolke 7. Aber in der Kraft seines Geistes. Als Zeugen. Die auf dem harten Boden der Tatsachen an Jesu Nähe erinnern. Durch das, was wir reden. Und durch das, was wir tun.

Dann gilt von der Wolke, in die uns Jesus hüllt, im Vertrauen auf ihn, was Philipp Dittberner von der Wolke 4 sagt:

Lass uns die Wolke vier bitte nie mehr verlassen

Weil wir auf Wolke sieben, viel zu viel verpassen

Ich war da schon ein Mal, bin zu tief gefallen.

Lieber Wolke vier mit Dir als unten wieder ganz allein. Amen.