6. März 2016 - Spurensuche


Matthäus 5,1-10

Als Jesus die Volksmenge sah, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger kamen zu ihm.
Jesus begann zu reden und lehrte sie:
»Glückselig sind die, die wissen, dass sie vor Gott arm sind. Denn ihnen gehört das Himmelreich.
Glückselig sind die, die an der Not der Welt leiden. Denn sie werden getröstet werden.
Glückselig sind die, die von Herzen freundlich sind. Denn sie werden die Erde als Erbe erhalten.
Glückselig sind die, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit. Denn sie werden satt werden.
Glückselig sind die, die barmherzig sind. Denn sie werden barmherzig behandelt werden.
Glückselig sind die, die ein reines Herz haben. Denn sie werden Gott sehen.
Glückselig sind die, die Frieden stiften. Denn sie werden Kinder Gottes heißen.
Glückselig sind die, die verfolgt werden, weil sie tun, was Gott will. Denn ihnen gehört das Himmelreich.

Einfach leben und damit einfach leben: Warum fällt uns das so schwer? Warum nehmen wir in jeden Urlaub zu viel Zeug mit? Warum sind unsere Schränke und Wohnungen oft so vollgestopft? Warum füllt sich jeder freie Platz gleich wieder mit etwas?

Und es geht ja weiter mit den vollgestopften Fächern und Regalen, die wir innerlich mit uns tragen: in unseren Köpfen und in unseren Herzen. Vollgestopft mit Sorgen über das, was kommt. Mit Ärger über entgangene Chancen, erlebte Misserfolge, erlittene Verletzungen. Dieser Ballast, der uns manchmal den Schlaf raubt, unsere Gedanken Karussell fahren lässt, unser Herz schwermacht. Obwohl wir wissen, dass unsere Sorgen zu 90% unbegründet sind und die restlichen 10% wir eh nicht ändern können. Obwohl die Dinge in der Vergangenheit auch durch unseren Ärger sich nicht ausradieren lassen.

Warum also dieses schwere Gepäck? Äußerlich wie innerlich? Weil wir nicht loslassen können. Weil loslassen immer etwas mit Vertrauen zu tun hat. Ich lasse etwas los und gebe es aus der Hand. Lasse mich fallen.

Das fällt mir so schwer, weil ich mein Leben im Griff haben will. Weil ich für alles vorbereitet sein will. Weil es mir so schwerfällt, Ungewissheit auszuhalten.

Das geht mir bei den Dingen so, die meine Regale, Schränke und Schubladen füllen: Ich kann es ja vielleicht doch noch brauchen … Das geht mir mit meinen Sorgen und meinem Ärger so: Sie geben meinem Leben Stabilität und Ordnung. Vielleicht nicht immer eine hilfreiche Stabilität und nicht immer eine gute Ordnung. Aber eine, die verlässlich da ist.

Aber natürlich sind das alles Scheinsicherheiten: Das Leben bleibt unberechenbar – egal wie viele Dinge ich im Vorrat für irgendwelche Eventualitäten gehortet habe. Vieles finde ich eh dann nicht, wenn ich es mal tatsächlich brauchen sollte. Und die Dinge im Kopf und Herz engen mich mehr ein, als dass sie mich frei und offen machen für die Zukunft.

Wir haben vorher die Seligpreisungen Jesu gehört. Der ja gerade die glückselig nennt, die nichts haben: Arm sind vor Gott. An der Not der Welt leiden. Verfolgt werden. Die also, die offen und sensibel durch die Welt gehen. Die vertrauen: Alles was ich habe, gibt meinem Leben keinen Halt. Sondern allein Gott, der mir mein Leben geschenkt hat und erhält. Das heißt „Glückselig sind die, die wissen, dass sie vor Gott arm sind.“ „Glückselig sind die, die ein reines Herz haben.“ Ihnen gehört die Zukunft – die Zukunft Gottes.

Wer sich so auf Gott verlässt, wird frei: Frei vom materiellen Ballast. Frei von dem, was uns innerlich belastet. Derr wird frei, anderen freundlich zu begegnen. Nach Gerechtigkeit sich zu sehnen. Sich auf andere einzulassen – das bedeutet „Barmherzigkeit“. Frieden zu stiften.

So den Ballast und die falsche Sicherheit loslassen, fällt uns nicht leicht. Uns auf Gottes Nähe einzulassen, erfordert viel Vertrauen. Aber anders schaffen wir es nicht: Einfach leben. Glückselig sein. Amen.