9. Juli 2017 - 4. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest/Erntebittgottesdienst


Ansprache zu Matthäus 20,1-16

Das ist aber ungerecht! Wann sagen wir das? Wenn wir ins Freibad wollen und es regnet? Wenn die Tante auf Besuch kommt und meinem Bruder und mir ein Geschenk mitbringt – ich aber das Geschenk des Bruders für viel schöner halte als meines? Aber mein Bruder genau dasselbe denkt von seinem Geschenk – nur umgekehrt: Meines sei schöner! Wenn ich die Getränke aus dem Keller holen muss? Wenn die Mitschülerin immer die besseren mündlichen Noten bekommt? Wenn der viel unfähigere Kollege befördert wird und nicht ich? Wenn die Lebensmittel im Ausland mehr kosten als bei uns? Wenn deshalb Landwirte bei uns weniger verdienen als dort?

Das ist aber ungerecht! Wütend starrt Benjamin den reichen Mann an. Das ist aber ungerecht! Einen ganzen Tag lang habe ich in deinem Weinberg geschuftet. Seit dem frühen Morgen! Mit einem Haufen anderer. Wir standen schon früh morgens am Marktplatz und haben Arbeit gesucht. Und du hast uns eingestellt. Für einen Silbergroschen – ja, das ist ein guter Lohn und wir haben angefangen. Nach der Frühstückspause kamen dann neue Arbeiter dazu. Nach dem Mittagessen auch. Weitere nach dem Kaffee am Nachmittag und die letzten eine Stunde vor Feierabend. Und jetzt gibst du uns allen den gleichen Lohn. Die, die nur eine Stunde gearbeitet haben, bekommen ein Silberstück. Und wir, die den ganzen Tag in der Hitze geschwitzt und geschuftet haben genauso. Voll ungerecht ist das!

Der Weinbergbesitzer schaut Benjamin an: Was haben wir ausgemacht, als ich dich eingestellt habe? Was solltest du als Lohn bekommen? Na ja, meint Benjamin etwas verlegen, na ja einen Silbergroschen. Und wie viel hast du bekommen? Ja, einen Silbergroschen. Also: ich habe dir so viel gegeben, wie ich versprochen habe. Und der Silbergroschen ist der normale Gehalt eines Arbeiters für einen Tag. Du regst dich nur auf, weil ich den anderen genauso viel gegeben habe. Du schimpfst, weil ich so gütig bin und jedem das gebe, was er zum Leben braucht.

Diese Geschichte hat Jesus erzählt. Er sagt: „Gott ist wie der Weinbergbesitzer.“ Er gibt jedem, was er zum Leben braucht. Nicht mehr und nicht weniger. Gott vergleicht nicht, ob einer mehr leistet als der andere. Denn wir können uns nicht vergleichen.

So wie bei den Tieren, die dieselbe Aufgabe bekommen. Aber ein Goldfisch, ein Affe und ein Elefant haben einfach unterschiedliche Fähigkeiten. Deshalb kann man ihre Leistung nicht vergleichen.

Heute feiern wir Erntebittgottesdienst. Denken daran, dass Gott es ist, der uns Wachsen und Gedeihen, Säen und Ernte schenkt. Lebensmittel sind sein Geschenk. Weil er so gütig ist, sollen wir nicht geizig sein. So viel dafür bezahlen, dass die Menschen davon leben können, die hier in der Landwirtschaft arbeiten. Das ist gerecht.

Denn gerecht heißt in der Sprache der Bibel: Treu zueinanderstehen. Weil Gott treu zu uns steht. Gerecht ist – und gütig. Amen.